Neue Perspektive für das Georg-Nestler-Haus in Pappenheim

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Fünf Jahre nach der Schließung des Georg-Nestler-Hauses könnte für das markante Gebäude in der Pappenheimer Beckstraße am Fuße des Weinbergs eine völlig neue Zukunft beginnen. In der Stadtratssitzung am 18. Juni wurde mit dem Projekt „Pappenheim 2030“ bereits das fünfte Konzept vorgestellt, das dem seit 2021 leerstehenden Gebäude wieder Leben einhauchen soll. Anders als frühere Ansätze setzt die von der LandLiving GmbH mit Sitz in Augsburg entwickelte Idee jedoch nicht auf eine klassische Pflegeeinrichtung, sondern auf ein gemeinschaftliches Wohn- und Lebensmodell für ältere Menschen mit starker Einbindung in das gesellschaftliche Leben der Stadt.

Für Bürgermeister Florian Gallus ist das Vorhaben weit mehr als eines der bisherigen Nutzungskonzepte. Bereits im Vorfeld der öffentlichen Sitzung wurde deutlich, dass ihn die Idee zutiefst überzeugt hat. Beim Pressegespräch am Vormittag vor der Sitzung sprach er offen darüber, dass ihn das Konzept der LandLiving GmbH „schon bei den ersten Gesprächen abgeholt“ habe. Der Gedanke der gegenseitigen Unterstützung zwischen den Generationen entspreche genau den Bedürfnissen, die ihm in vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern immer wieder begegnet seien.

Fünf Jahre Suche nach einer Lösung
Als Florian Gallus im Mai 2020 sein Amt als Bürgermeister antrat, erhielt er bereits zwei Wochen später die Nachricht, dass die Rummelsberger Dienste das Georg-Nestler-Haus nicht weiter betreiben würden. Pünktlich zum 31. Mai 2021 war das Gebäude schließlich geräumt und der Erbpachtvertrag ging an die Stadt zurück.

Seitdem blieb das ehemalige Seniorenheim eines der meistdiskutierten Themen in Pappenheim.

Es werden zwar immer weniger Pappenheimer, die persönliche Erinnerungen an das vormalige Krankenhaus haben, dennoch haben sich private und politische Initiativen seit dem Leerstand bemüht, das Gebäude mit dem markanten Namen seines Stifters wieder mit Leben zu erfüllen. Die geringe Zahl möglicher Pflegeplätze machte jedoch alle bisherigen Überlegungen wirtschaftlich schwierig. Vier Konzepte wurden in den vergangenen Jahren diskutiert, ohne dass daraus ein konkreter Ansatz für eine Umsetzung entstand.

Mit dem nun vorgestellten Ansatz soll ein neuer Weg eingeschlagen werden.

Gemeinschaft statt Pflegeheim
LandLiving-Geschäftsführer Dr. Carsten Witt stellte das Projekt zusammen mit der Geschäftsführerin Christa Grotepaß vor und betonte mehrfach, dass das Projekt kein Pflegeheim werden soll. Im Mittelpunkt stehe vielmehr eine aktive Gemeinschaft von Menschen, die möglichst lange selbstbestimmt leben möchten.

Geplant sind 17 Wohnungen für rund 35 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Apartments fallen bewusst kompakt aus und haben im Durchschnitt etwa 22 Quadratmeter Wohnfläche. Das Konzept setzt dabei auf eine optimale Nutzung der vorhandenen Räume. Durch eine durchdachte Möblierung und intelligente Grundrisse soll auch auf vergleichsweise kleiner Fläche ein komfortables Wohnen möglich werden.

Vorgestellt wurde dieses Raumkonzept bei der Sitzung des Stadtrates von Lidia Teister, die als Expertin für Microliving und Service Apartments gilt. Die Gewinnerin des Design Awards 2024 zeigte auf, wie sich auch begrenzte Wohnflächen funktional, komfortabel und gleichzeitig ansprechend gestalten lassen. Dabei steht die optimale Nutzung jedes Quadratmeters im Mittelpunkt.

Die geplanten Wohneinheiten verbinden private Rückzugsräume mit einer hochwertigen Ausstattung und den umfangreichen Gemeinschaftsbereichen des Projekts.

Den eigentlichen Schwerpunkt bilden die gemeinschaftlich genutzten Bereiche. Vorgesehen sind unter anderem Räume für Begegnung, gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen. Darüber hinaus soll ein gastronomisches Angebot mit Frühstück, Mittag- und Abendessen entstehen. Ein Café soll am Nachmittag auch Besucherinnen und Besuchern sowie der Öffentlichkeit offenstehen.

Unterstützt werden soll das Zusammenleben durch eine digitale Hilfs-App, über die beispielsweise Fahrten zum Arzt, Einkäufe oder andere Unterstützungsangebote innerhalb der Gemeinschaft organisiert werden können.

Wohnen mit Verantwortung
Dr. Witt machte deutlich, dass LandLiving nicht einfach Wohnungen vermieten möchte. Ziel sei eine Gemeinschaft, in der sich die Bewohner aktiv einbringen.

Dazu ist vorgesehen, dass Interessenten sich finanziell an der Gesamtanlage beteiligen. Sie werden dadurch Miteigentümer des Projekts, erwerben jedoch weder eine Wohnung noch ein Wohnrecht. Die Wohnungen bleiben Mietobjekte und gehen später nicht als Eigentum auf Erben über. Die Finanzierung des Projekts, so machen die Initiatoren immer wieder deutlich, soll maßgeblich von den Bewohnerinnen und Bewohnern getragen werden.

Als Rechtsform ist eine GmbH & Co. KG vorgesehen.

Begleitet werden soll das gemeinschaftliche Leben durch eine soziale Moderation. Hier bringt insbesondere Christa Grotepaß ihre Erfahrungen und ihr Engagement ein. Gemeinsam mit Dr. Carsten Witt gehört sie zu den prägenden Köpfen des Projekts. Bei der Vorstellung wurde deutlich, wie viel Begeisterung und Herzblut beide in die Entwicklung des Konzepts investiert haben.

Begeisterung für Pappenheim
Die Verbindung zwischen Pappenheim und Dr. Carsten Witt entstand Ende 2025. Bereits bei einem ersten Besuch im November erkannte er nach eigenen Angaben das Potenzial des Gebäudekomplexes und des dazugehörigen Areals. Seine Begeisterung für die Stadt war auch beim Pressegespräch deutlich spürbar.

Um Pappenheim besser kennenzulernen, hat sich Witt sogar vor Ort einquartiert. Auch nach der Stadtratssitzung suchte er gemeinsam mit seinem Team den direkten Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern bei einer Gesprächsrunde in einem Pappenheimer Gasthaus. Dort wurde mit den Bürgerinnen und Bürgern, welche die Stadtratssitzung besucht hatten, weiter über Chancen, Erwartungen und Perspektiven des Projekts gesprochen.

Pilotprojekt mit Strahlkraft
Bürgermeister Gallus sieht in dem Vorhaben eine große Chance für die Stadt. „Hier kann ein Pilotprojekt gegen Alterseinsamkeit entstehen. Möglicherweise installieren wir hier ein Leuchtturmprojekt für den gesamten Landkreis“, erklärte er.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass das Projekt den Wunsch nach einem Pflegeangebot in Pappenheim nicht ersetzt. „Das ist der erste Zwischenschritt auf dem Weg zur Pflege von Senioren. Wir brauchen einen Pflegestandort, das ist mir klar“, sagte Gallus.

Noch stehen zahlreiche Entscheidungen bevor. Viele Details müssen ausgearbeitet, rechtliche Fragen geklärt und weitere Beschlüsse gefasst werden. Die Stadt selbst diskutiert derzeit weder über finanzielle Beteiligungen noch über Investitionen.

Dennoch wurde bei der Vorstellung deutlich, dass die Verantwortlichen von LandLiving und der Bürgermeister in dem Konzept eine realistische Chance sehen, dem Georg-Nestler-Haus wieder eine Zukunft zu geben. Für Pappenheim könnte damit ein Projekt entstehen, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit auf sich zieht und neue Antworten auf die Herausforderungen des Älterwerdens im ländlichen Raum gibt.

Wortmeldungen und Beschluss
In der anschließenden Diskussion gab es zu dem vorgestellten Konzept grundsätzlich positive Rückmeldungen aus dem Stadtrat. SPD-Fraktionsvorsitzende Annette Pappler verwies darauf, dass die Schaffung von Wohnraum für Senioren bereits im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept von 2022 verankert sei. Den besonderen Charme des Projekts sehe sie darin, dass in Pappenheim nicht bei null begonnen werden müsse. Mit der Nachbarschaftshilfe und dem aktiven Vereinsleben seien bereits wichtige Strukturen vorhanden. Für sie sei das Vorhaben ein „erfrischend positiver Ansatz“ und eine gute Idee, die es wert sei, weiterverfolgt zu werden. Im Erfolgsfall könne das Projekt der Stadt sogar ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen.

Auch Walter Otters, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/Bürgerliste, begrüßte, dass das neue Konzept „mal etwas anderes“ sei. Gleichzeitig betonte er, dass es in der aktuellen Sitzung zunächst nur um die weitere Prüfung des Vorhabens gehe. Dabei müssten insbesondere die Finanzierung, die praktische Umsetzbarkeit sowie der tatsächliche Bedarf und das Interesse möglicher Bewohner sorgfältig untersucht werden. Eine Vorfestlegung dürfe es aus seiner Sicht nicht geben. Vielmehr sollten auch die bislang vorliegenden Konzepte sowie mögliche weitere Ideen weiterhin offen betrachtet werden.

Ähnlich äußerte sich CSU-Stadtrat Marcus Wurm. Er wolle LandLiving die Chance geben, das Konzept weiterzuentwickeln, sprach sich jedoch ebenfalls dafür aus, die bisherigen Überlegungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Am Ende beschloss der Stadtrat, die Umsetzbarkeit des vorgestellten Projekts für eine Nutzung des ehemaligen Krankenhauses und Seniorenheims in der Beckstraße 19 als generationsübergreifendes Wohnprojekt näher zu prüfen. Eine endgültige Entscheidung über die Realisierung ist damit noch nicht verbunden. Vielmehr markiert der Beschluss den Einstieg in einen weiteren Prüfungs- und Entwicklungsprozess.