Zweckverband links der Altmühl investiert in sichere Trinkwasserversorgung

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Die Sicherung der Trinkwasserversorgung ist eine Aufgabe, die meist im Verborgenen abläuft – aktuell jedoch rückt sie auch in Pappenheim und den umliegenden Ortsteilen stärker in den Fokus. Der Zweckverband zur Wasserversorgung der Gruppe links der Altmühl steht vor Investitionen in Millionenhöhe, die nach Einschätzung der Verantwortlichen notwendig sind, um die Versorgung langfristig stabil zu halten.

Um die Hintergründe zu erläutern, hatte der Verbandsvorsitzende Erwin Knoll zu einem Pressegespräch in die Geschäftsstelle nach Bieswang eingeladen.

Die Wasserversorgung
Die Organisation der Wasserversorgung für die Region um Pappenheim wirkt auf den ersten Blick komplex, lässt sich aber einfach zusammenfassen. Die Wassergewinnungs- und -Versorgungs GmbH Pappenheim und Umgebung fördert das Trinkwasser aus zwei Brunnen am Wasserwerk Pappenheim sowie aus einem weiteren Brunnen in Eßlingen. Dieses Wasser kann ohne zusätzliche Aufbereitung genutzt werden und wurde bei dem Gespräch auch als Tagungsgetränk angeboten. Von den Brunnen gelangt es jedoch nicht direkt in die Haushalte, sondern wird an die jeweiligen örtlichen Versorger weitergegeben. Dazu zählen die Stadtwerke Pappenheim sowie die Zweckverbände links und rechts der Altmühl, die die Verteilung in ihren jeweiligen Gebieten übernehmen.

Wasserturm Rothenstein außer Betrieb
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Hochbehälter, in die das Wasser gepumpt wird. Im Bereich des Zweckverbandes links der Altmühl befinden sich solche Anlagen in Geislohe, Bieswang und Dietfurt. Der Wasserturm Rothenstein auf dem Hohlbeerbuck bei Neudorf kann hingegen seit fünf Jahren nicht mehr genutzt werden. Das 1911 errichtete Bauwerk steht auf privatem Gelände und ist im Zuge einer geplanten Steinbrucherweiterung entfallen, zudem besteht keine Grundbucheintragung. Damit fehlen dem Zweckverband 100 Kubikmeter Speichervolumen.

Aktuell stehen mit den Hochbehältern in Geislohe mit 200 Kubikmetern und Bieswang mit 300 Kubikmetern insgesamt 500 Kubikmeter zur Verfügung. Das reicht aus, um die Versorgung für zwei bis drei Tage aufrechtzuerhalten, falls die Pumpen in Pappenheim und Eßlingen ausfallen sollten.

Grafik: Zweckvrband links der Altmühlt

Zwei neue Wasserhochbehälter
Auch der Wasserturm Osterdorf aus dem Jahr 1911 ist in die Jahre gekommen. Bei dem schönen und romantisch gelegenen Bauwerk stünde in nächster Zeit eine Sanierung an die sicherlich unwirtschaftlich wäre. Daher fiel die Entscheidung, den Turm nicht zu erhalten. Eine zunächst angedachte Lösung mit einem Druckpumpwerk hätte Mehrkosten von rund 500.000 Euro verursacht.

Stattdessen setzt der Zweckverband auf zwei neue Hochbehälter. Westlich neben dem bisherigen Turm entstehen zwei eingehauste Edelstahlbehälter mit jeweils 505 Kubikmetern Fassungsvermögen. Damit stehen künftig allein im Zweckverbandsgebiet 1.010 Kubikmeter Trinkwasser zur Verfügung. Die Reserve verdoppelt sich damit und die Versorgungssicherheit steigt auf bis zu acht Tagen.

Im Zuge der beginnenden Bauarbeiten ist seit Anfang März die Ortsverbindungsstraße zwischen Geislohe und Osterdorf gesperrt. Neben der Verlegung einer Stromleitung wurde auch die bisher querfeldein verlaufende Hauptwasserleitung in den öffentlichen Grund neben der Straße verlegt, bis hin zum Steinbruchgelände Grillenberger. Inzwischen wurde eine Baustraße eingerichtet und die ersten Erdarbeiten am Standort der neuen Behälter haben begonnen.

Ein sogenanntes Bauanlaufgespräch ist für Dienstag, 24. März 2026 vorgesehen. Läuft alles nach Plan, könnte die Anlage im Herbst 2027 in Betrieb gehen, so Erwin Knoll und Geschäftsleiterin Enikö Bayer. Der bestehende Wasserturm soll anschließend innerhalb eines Jahres vollständig zurückgebaut werden.

Die Kosten und die Fördermittel in letzter Minute
Die Kosten für die neuen Hochbehälter belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Lange Zeit war unklar, ob es dafür Fördermittel geben würde. „Da standen dramatische Folgen im Raum“, schildert Geschäftsleiterin Bayer. Ohne Unterstützung hätte sich der Wasserpreis für die Anschlussnehmer ab 2029 um 60 Cent pro Kubikmeter erhöht.

Eine entscheidende Wendung brachte schließlich der Einsatz des stellvertretenden Verbandsrats Erich Neulinger. In seiner Funktion als Pappenheimer Stadtrat und Referent für das Abwasser nahm er am 22. Januar 2026 im Pappenheimer Rathaus an einer Sitzung mit dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach teil und sprach dort das Thema der Förderung erneut an. Dabei erhielt er von der Fachbehörde den überraschenden Hinweis auf die neuen Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben RZWas 2025, die eine Förderung buchstäblich in letzter Minute möglich machte. Aus dem Handbuch des neuen Förderprogramms geht hervor, dass in bestimmten Härtefällen die Investitionen für Abwasser und Trinkwasser gemeinsam betrachtet und gefördert werden können.

In enger Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt gelang es der Geschäftsstelle, den Antrag erfolgreich einzureichen. Am 12. März 2026 ging der Förderbescheid über 695.250 Euro ein. Erwin Knoll und Enikö Bayer betonten in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Unterstützung durch die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes. „Zur Wahrheit gehört aber auch“ so betont Erich Neulinge im Gespräch, „dass sich Bürgermeister Florian Gallus mit stark gemacht hat, dass der Zuschuss für den Zweckverband bewilligt wird.“

Weitere Leitungserneuerungen
Neben den Neubauten stehen weitere Maßnahmen an. Das teilweise über 80 Jahre alte Leitungsnetz muss schrittweise erneuert werden, da es immer wieder zu Rohrbrüchen, Kosten und Wasserverlusten kommt. Auch hierfür sind Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen.

Bei aller Notwendigkeit der Maßnahmen bleibt eine Konsequenz nicht aus. Die umfangreichen Investitionen werden sich in den kommenden Jahren auch auf den Wasserpreis auswirken.