Dass man auch in Pappenheim die Massen bewegen und mit anspruchsvollem Theater begeistern kann, beweist die Theatergruppe Pappenheim seit mehr als 30 Jahren. Mit der englischen Komödie „Gute Geister“ von Pam Valentine ist das Ensemble unter der Regie von Anette Pappler und Barbara Mürl bei der Premiere im ausverkauften Kronensaal wieder einmal über sich hinausgewachsen. Mit bemerkenswerter Spielfreude, großer Textsicherheit und einer durchweg eindrucksvollen schauspielerischen Leistung begeisterten sämtliche Darstellerinnen und Darsteller das Publikum.
Wie groß die Beliebtheit der traditionellen Theaterwoche inzwischen ist, zeigt sich auch daran, dass bereits vor der Premiere alle vier Vorstellungen nahezu ausverkauft waren und derzeit nur noch einzelne Restkarten erhältlich sind.
Zwei Geister als heimliche Hauptdarsteller
Die Bühne im Pappenheimer Kronensaal verwandelt sich in die gute Stube eines englischen Landhauses, das einst dem erfolgreichen Krimiautor Jack Cameron (Holger Wenzel) und seiner Frau Susi (Angelika Leykamm) gehörte. Beide sind bei einem tragischen Bootsunfall in Italien ums Leben gekommen. Weil ihnen an der Himmelspforte der Einlass verwehrt wurde, mussten sie auf die Erde zurückkehren und spuken nun in ihrem ehemaligen Zuhause.
Eine besondere schauspielerische und inszenatorische Herausforderung liegt darin, dass Jack und Susi während der gesamten zweistündigen Spielzeit auf der Bühne präsent sind, obwohl sie für die anderen handelnden Personen unsichtbar bleiben. Holger Wenzel und Angelika Leykamm meistern diese ungewöhnliche Aufgabe mit beeindruckender Textsicherheit, ausdrucksstarker Mimik und Gestik sowie einem bemerkenswerten Gespür für die komischen und nachdenklichen Momente des Stücks. Ihre durchgehende Bühnenpräsenz gehört zweifellos zu den herausragenden Leistungen dieser Inszenierung.
Zunächst zeigen sich die beiden Verstorbenen allerdings keineswegs als gute Geister. Vielmehr setzen sie alles daran, ihr ehemaliges Haus für sich allein zu behalten. Ihr bevorzugtes Opfer ist der etwas steife und unbeholfene Immobilienmakler Mark Webster, den Tim Schober mit ausgeprägtem komödiantischem Talent verkörpert. Mit seinen Reaktionen auf die unerklärlichen Vorgänge im Haus sorgt er immer wieder für große Heiterkeit im Publikum. Die beiden Geister spielen ihm allerlei Streiche und bringen ihn damit schier zur Verzweiflung.
Neue Bewohner verändern das Geschehen
Eine entscheidende Wendung nimmt die Geschichte, als der junge, bislang erfolglose Schriftsteller Simon Willis (Josef Bergmann) mit seiner schwangeren Frau Flic (Britta Schober) in das Haus einzieht. Die beiden haben mit erheblichen wirtschaftlichen und persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, lassen sich davon aber nicht unterkriegen. Josef Bergmann und Britta Schober stellen die Sorgen, Hoffnungen und die gegenseitige Zuneigung des jungen Ehepaares mit großer Überzeugungskraft dar. Auch hier zeigt sich das hohe schauspielerische Niveau des gesamten Ensembles.
Besonders angetan ist Simon von der vollständigen Krimisammlung des verstorbenen Jack Cameron. Seine Begeisterung für den berühmten Schriftsteller bleibt auch dessen Geist nicht verborgen. Jack verfolgt das Interesse seines jungen Bewunderers nun mit sichtlichem Wohlgefallen.
Für zusätzlichen Schwung sorgt der markante Auftritt von Flics Mutter Marcia Bradshaw, die von Pia Brunnenmeier eindrucksvoll verkörpert wird.
Als selbstbewusste und dominante Persönlichkeit hat sie zwar ein liebevolles Verhältnis zu ihrer Tochter, begegnet ihrem Schwiegersohn jedoch mit einer gehörigen Portion Skepsis. Pia Brunnenmeier versteht es ausgezeichnet, diese eigenwillige Persönlichkeit mit ihrer bestimmenden Art auf die Bühne zu bringen.
Im weiteren Verlauf gewinnen die Ereignisse zunehmend an Fahrt. Allmählich entwickelt sich bei den Geistern Jack und Susi ein Beschützerinstinkt gegenüber den jungen Hausbewohnern. Aus den zunächst wenig freundlichen Geistern werden tatsächlich gute Geister, die sich um das Schicksal der Lebenden kümmern.
Dabei erhalten sie Unterstützung von himmlischer Seite. Der Schutzengel, dargestellt von Lotta Lauterbach, greift mit besonderen Kräften in das Geschehen ein und trägt dazu bei, dass sich die Dinge zum Guten wenden. Die Rolle des Schutzengels ist mit Lotta Lauterbach und Maximilian Löffler doppelt besetzt. Bei den weiteren Vorstellungen wechseln sich die beiden Darsteller in dieser Rolle ab.
Eine überzeugende Gemeinschaftsleistung
Was diese Aufführung besonders auszeichnet, ist die bemerkenswerte Geschlossenheit des Ensembles. Alle Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugen in ihren Rollen und verleihen ihren Figuren eine unverwechselbare Persönlichkeit. Dabei gelingt es ihnen, die zahlreichen komischen Situationen ebenso glaubwürdig darzustellen wie die ernsten und gefühlvollen Momente der Geschichte.
Gerade aus dem Nebeneinander der sichtbaren und unsichtbaren Welt entstehen immer wieder Situationen, die das Publikum zum Lachen bringen.
Zum Gelingen der Inszenierung trägt auch Linus Lauterbach bei, der am Klavier wichtige Szenen musikalisch untermalt und damit deren Wirkung gekonnt unterstreicht. Ein neues Gesicht auf der Bühne ist Anna Pappler, die als Engel der Zeit vor den einzelnen Akten auftritt und mit ihren Hinweisen die Zeitsprünge innerhalb der Handlung deutlich macht.
Für den Fall, dass bei der umfangreichen Textmenge doch einmal ein Einsatz vergessen werden sollte, steht Thomas Henle als aufmerksamer Souffleur bereit.
Eine heitere Komödie mit nachdenklicher Botschaft
Bei aller Komik und den zahlreichen Verwicklungen vermittelt das Stück auch eine durchaus ernsthafte Botschaft: Das Leben ist zu kurz, um wertvolle Zeit mit Streit und Zwietracht zu vergeuden. Vielmehr sollte man die gemeinsame Zeit mit den Menschen, die einem lieb und wert sind, in gegenseitiger Zuneigung und Achtung genießen.
Gerade diese Verbindung aus britischem Humor, turbulenten Ereignissen und einer menschlich anrührenden Geschichte macht den besonderen Reiz des diesjährigen Theaterstücks aus. Der Theatergruppe Pappenheim gelingt es, diese unterschiedlichen Seiten des Stücks überzeugend auf die Bühne zu bringen.
Viele fleißige Hände hinter den Kulissen
Eine Theateraufführung dieser Qualität wäre ohne die zahlreichen Helferinnen und Helfer im Hintergrund nicht möglich. Ihnen allen galt deshalb der herzliche Dank von Barbara Mürl, der ersten Vorsitzenden der Theatergruppe Pappenheim.
Als Einspringer bei den Proben stand Joshua Wenzel zur Verfügung. Für die Kostüme sorgten Marianne Pappler und Sandra Schütz, während Lilly Mürl und Anida Cemal für Maske und Frisuren verantwortlich waren. Die Beleuchtung lag wie immer in den bewährten Händen von Jörg Gerber.
Am Bühnenbau waren Richard Schwimmer, Jörg Gerber, Luca Mürl, Thomas Henle und Josef Bergmann sowie weitere Mitglieder der Theatergruppe beteiligt. Den Bühnenbildhintergrund gestaltete die Pappenheimer Künstlerin Birgit Van der Gang. Für die Saalordnung und den Einlass sorgten zahlreiche weitere fleißige Helfer des Vereins.
Die Regie und Regieassistenz lagen bei Anette Pappler und Barbara Mürl, die mit dem gesamten Ensemble eine rundum gelungene Inszenierung auf die Bühne gebracht haben.
Ein besonderer Dank galt auch der Familie Albert und Andrea Linke, der Lindenwirtin Angelika Starzl, die für Speisen und Getränke sorgte, sowie der Stadt Pappenheim. Ebenso bedankte sich Barbara Mürl bei allen Leihgebern und Vereinsmitgliedern, die mit der Bereitstellung von Requisiten und vielfältiger Unterstützung zum Gelingen der Theaterwoche beigetragen haben.
Zwei weitere Aufführungen am kommenden Wochenende
Mit „Gute Geister“ hat die Theatergruppe Pappenheim erneut unter Beweis gestellt, welch beachtliches schauspielerisches Können in ihrem Ensemble steckt. Die ausdrucksstarken Darsteller, das gelungene Zusammenspiel und die ebenso humorvolle wie nachdenkliche Geschichte machen den Theaterbesuch zu einem besonderen Erlebnis.
Am kommenden Wochenende stehen noch zwei weitere Aufführungen im Pappenheimer Kronensaal auf dem Programm. Die Zuschauer dürfen sich auf einen ebenso unterhaltsamen wie anspruchsvollen Theaterabend freuen, bei dem die Pappenheimer Schauspielerinnen und Schauspieler einmal mehr zeigen, dass gutes Theater keineswegs nur auf großen Bühnen zu Hause ist.


