Spannende Feuerwehrgeschichte und große Ehrungen in Übermatzhofen

image_print

Mit einem festlichen Abend hat die Freiwillige Feuerwehr Übermatzhofen ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Dabei wurde nicht nur die lange Geschichte einer Dorffeuerwehr lebendig, sondern auch deutlich, was eine solche Gemeinschaft über Generationen hinweg trägt. Ehrenamtliches Engagement, Verlässlichkeit und Kameradschaft zogen sich wie ein roter Faden durch den Jubiläumsabend. Einen besonderen Akzent setzte Bernd Hörauf mit seiner Festansprache, in der er 125 Jahre Feuerwehrgeschichte ebenso kenntnisreich wie kurzweilig Revue passieren ließ. Ehrungen für langjährigen aktiven Dienst und Vereinstreue sowie die Ernennung eines Ehrenmitglieds bildeten einen besonderen Schwerpunkt des Abends.

Eine Zeitreise durch 125 Jahre Feuerwehrgeschichte
Bernd Hörauf verstand es bei seiner Festansprache, aus einer Chronik eine lebendige Zeitreise zu machen. Dabei führte er seine Zuhörer zurück in jene Jahre, als in Übermatzhofen aus der bestehenden Pflichtfeuerwehr eine Freiwillige Feuerwehr wurde.

Wie bescheiden die persönliche Ausrüstung damals ausfiel, zeigt ein lederner Löscheimer. Ein solcher gehörte seinerzeit als Pflichtgegenstand in jeden Haushalt und war sogar Voraussetzung für die Gründung einer neuen Familie. In Übermatzhofen gab es darüber hinaus ein Leiterhaus, in dem auch die Feuerhaken für die Steiger aufbewahrt wurden.

Dass der Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr für die Gründergeneration keineswegs eine leichte Aufgabe war, machte Hörauf ebenfalls deutlich. Die neue Freiwillige Feuerwehr mit 22 Gründungsmitglieder nahm für die Anschaffung von Uniformen und neuen Gerätschaften enorme Schulden auf sich.

Auch bei Übungen herrschten strenge Regeln. Hörauf zitierte aus einem alten Protokoll, wonach beim ersten Versäumen einer Übung 50 Pfennig und beim zweiten Mal bereits eine Mark in die Vereinskasse zu zahlen waren. Ein drittes Versäumnis hatte den Ausschluss aus der Feuerwehr zur Folge

Für besondere Anschaulichkeit sorgte der Blick auf die damalige Alarmierung. Zu den verschiedenen Gruppen und Aufgaben innerhalb der Wehr gehörte auch der Signalist. Lange bevor eine Sirene die Feuerwehrleute zum Einsatz rief, zog er mit seinem Signalhorn durch den Ort. Wie sich das angehört und ausgesehen haben mag, konnten die Gäste unmittelbar erleben. Ein Feuerwehrmann mit Lederhelm und Kleidung aus damaliger Zeit ging durch die Reihen im Festzelt und demonstrierte den Feueralarm aus der Zeit vor rund 150 Jahren.

Auch die Handsirene kam zum Einsatz. Zusammen mit der Entwicklung der verschiedenen Uniformtypen bis hin zum heutigen Schutzanzug Bayern 2000 Zeichnete Hörauf mit seinem Vortrag ein anschauliches Bild davon, wie sehr sich Feuerwehrtechnik und persönliche Ausrüstung im Laufe der Jahrzehnte verändert haben.

Eine erhebliche Erleichterung für die Feuerwehren auf der Höhe brachte um das Jahr 1910 der Einzug der Wasserleitung. Den ersten Brandeinsatz im eigenen Dorf verzeichnete die Übermatzhofener Wehr 1926 bei einem Scheunenbrand. Auch 1980 und 1982 wurden in Übermatzhofen große Scheunen Opfer der Flammen.

Zu den weiteren bedeutenden Brandeinsätzen gehörten 1987 der Großbrand bei der Firma Dynamit Nobel in Niederpappenheim sowie 1989 der Großbrand bei der Möbelfabrik Gruco auf der Lach

Eine besondere Episode der Feuerwehrgeschichte ereignete sich ausgerechnet am Morgen des Jubiläumssonntags zum 75-jährigen Bestehen. Wegen eines Brandes in der Langenaltheimer Haardt heulten in Übermatzhofen die Sirenen. Die Feuerwehr rückte aus, wurde jedoch mit Blick auf das Jubiläum vom Kreisbrandrat wieder nach Hause geschickt und schaffte es gerade noch rechtzeitig zum Festgottesdienst.

Dass Feuerwehrgemeinschaft nicht nur bei Übungen und Einsätzen funktioniert, bewiesen die Übermatzhofener auch beim Tauziehwettbewerb des Pappenheimer Volksfestes. Von 1978 bis 1980 und erneut von 1995 bis 1997 holten die Männer aus Übermatzhofen den Pokal jeweils drei Jahre in Folge und durften ihn damit behalten.

Ein weiterer Meilenstein folgte 2001. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde eine Vereinsfahne angeschafft und im Rahmen der Feierlichkeiten feierlich geweiht.

Mit vielen solcher Episoden gelang es Bernd Hörauf, die 125-jährige Geschichte nicht lediglich anhand von Jahreszahlen nachzuzeichnen. Vielmehr ließ er ein Stück Übermatzhofener Dorf- und Feuerwehrgeschichte lebendig werden und machte sichtbar, wie sich aus den bescheidenen Anfängen der Pflichtfeuerwehr die heutige Freiwillige Feuerwehr entwickelt hat.

Auszeichnungen für langjährigen Dienst und Vereinstreue
Der Jubiläumsabend bot zugleich einen würdigen Rahmen, um Feuerwehrleute und Vereinsmitglieder für ihren langjährigen Einsatz und ihre Verbundenheit mit der Freiwilligen Feuerwehr Übermatzhofen auszuzeichnen.

Eine Ehrung wurde Bernd Hörauf, Klaus Müller und Norbert Fister zuteil. Hubert Stanka überreichte als Vertreter des Landkreises im Namen des Bayerischen Staatsministers des Innern die Urkunden und das Goldene Ehrenzeichen für 40 Jahre aktiven Feuerwehrdienst.
Mit dieser Auszeichnung ist auch ein einwöchiger Aufenthalt im Bayerischen Feuerwehrerholungsheim St. Florian in Bayerisch Gmain verbunden. Damit die ausgezeichneten Feuerwehrleute diesen Aufenthalt nicht alleine antreten müssen, übernimmt die Stadt Pappenheim die Kosten für jeweils eine Begleitperson. Bürgermeister Florian Gallus überreichte dafür entsprechende Gutscheine.
Für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst wurde Matthias Meyer vom Stellvertreter des Landrats mit dem Silbernen Ehrenzeichen ausgezeichnet.

Eine besondere Würdigung erfuhr Heinrich Grimm. Vereinsvorsitzender Werner Schramm ernannte ihn für seine besonderen Verdienste zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Übermatzhofen.

Auch langjährige Vereinstreue wurde an diesem Abend gewürdigt. Eine Urkunde für 25 Jahre Mitgliedschaft im Verein erhielten Herbert Stretz, Christoph Zombik, Markus Riedl und Roland Gutmann.