Groß Weltumbsegelung am 38. Mai in Pappenheim
Am verlängerten letzten Maiwochenende stand Pappenheim erneut ganz im Zeichen der Gesellschaft der Niederländter. Zur 119. Groß Weltumbsegelung (GWU) kamen rund 190 Mynheers aus 19 Sozietäten in die Stadt, um ihre traditionsreiche Gemeinschaft zu pflegen und gemeinsam einige besondere Tage zu verbringen. Den Abschluss bildete am Sonntag der festliche Umzug vom Marktplatz durch die Altstadt zur Burg Pappenheim.
Der Mai wurde einfach verlängert
Begonnen hatte die diesjährige GWU bereits am Donnerstag, dem 35. Mai. Was zunächst ungewöhnlich klingt, folgt einer niederländtischen Tradition. Da die Groß Weltumbsegelung als Maienfahrt stets im Mai stattfinden soll, der reguläre Termin jedoch in die Pfingstzeit gefallen wäre, verlängerten die Niederländter den Mai kurzerhand um einige Tage. So dauerte die GWU in diesem Jahr vom 35. bis zum 38. Mai 2026.
Die ersten unüberhörbaren Zeichen für die Ankunft des Niederlandts in Pappenheim waren die Böllerschüsse der beiden Kanonen des Militärvereins und der Reservistenkameradschaft 1856 Pappenheim e.V. Vom Weinberg und von der Hauptburg aus wurden sie als symbolisches Zeichen der Erstürmung abgefeuert. Mit dem Hissen der gülden-blauen Fahne des Niederlandts auf dem Burgturm galt Pappenheim anschließend traditionell als in die Hände des Niederlandts übergegangen.
Gäste aus ganz Süd- und Westdeutschland
Rund 190 Mynheers aus 19 Sozietäten nahmen in diesem Jahr an der GWU teil. Untergebracht wurden sie zum Teil auch in Privatquartieren durch den Rijksquartiermaister van Hopvriend der Pappenheimer Sozietät „Veste im Trawt Nest“, der dabei erneut von Ina Strunz mit viel Erfahrung und Engagement unterstützt wurde.
Die teilnehmenden Sozietäten kamen aus Pappenheim, Eichstätt, Ingolstadt, Neuburg an der Donau, München, Augsburg, Landshut, Passau, Regensburg, Nürnberg, Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Hof, Amberg, Bad Kissingen, Landau in der Pfalz, Sonthofen und Bonn. Damit erstreckte sich das Einzugsgebiet von der Pfalz über das Rheinland bis nach Ostbayern und ins Allgäu. Die weitesten Anreisen hatten dabei die Mynheers der Westwarft aus Bonn, der Waterbak aus Passau, der Kaskuch aus Sonthofen sowie der Hoogschans aus Landau in der Pfalz.
Eine besondere Nachricht gab es von der Pappenheimer Sozietät. Sie hatte bereits am 9. Mai Bürgermeister Florian Gallus in ihrer „Veste im Trawt Nest“ getäuft und ihm den niederländtischen Namen „Flirtgraag van Groeteveel“ verliehen. Mit der Taufe wurde er Vollmitglied des Niederlandts.
Gedenken in der Augustinerklosterkirche
Zur Tradition der Groß Weltumbsegelung gehört auch die Gedenkfeier in der Augustinerklosterkirche. Dort erinnerte Grootmynheer Erasmus Jong van Schuyt von der Sozietät des Krug aus München an die enge und über Generationen gewachsene Verbindung zwischen dem Niederlandt und Pappenheim.
Gemeinsam mit den anwesenden Mynheers gedachte er der verstorbenen Freunde des Niederlandts sowie der Mitglieder des gräflichen Hauses. Besonders erinnerte er an die „geliebte Schutz- und Schirmherrin Gräfin Ursula zu Pappenheim“, die die Verbundenheit der Niederländter mit Pappenheim in besonderer Weise geprägt habe. Zugleich betonte er, dass die persönliche und stets freundschaftliche Beziehung zur gräflichen Familie ein „fester Bestandteil der Niederländter Tradition“ sei und zur „Identität und Einzigartigkeit“ der Gemeinschaft gehöre.
Sein Dank galt zudem dem Gräflichen Haus Egloffstein als Nachfolger der Grafen zu Pappenheim für die fortgesetzte Freundschaft und die Möglichkeit, die Feierlichkeiten in diesem würdigen Rahmen zu begehen.
Am Samstagnachmittag kam es darüber hinaus zu einer besonderen Begegnung zwischen dem Niederlandt und zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Darüber wurde bereits gesondert berichtet.
Festbankett mit Auszeichnung
Höhepunkt des Samstagabends war das große Festbankett. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Rijksorchester unter der Leitung von Rijksmusikmeister Fijnon van Helsrinkel.
Die Gestaltung des traditionellen Festspiels übernahmen in diesem Jahr die Mynheers des Schilderbent aus Eichstätt. Mit Chorgesang und Ideen aus der Handlung der Oper „Der Freischütz“ gelang es ihnen, das niederländtische Publikum ebenso wie die Gäste zu begeistern.
Grootmynheer Erasmus Jong van Schuyt begrüßte die Festgäste und dankte den Pappenheimerinnen und Pappenheimern für die freundliche Aufnahme. Im Rahmen des Festbanketts verlieh er dem Pappenheimer Mynheern Van Ritthem alias Hans-Joachim Rietscher den „Goldenen Lindwurm“. Mit dieser Auszeichnung würdigte das Niederlandt dessen Verdienste um die Neugestaltung der Internetseite der Gesellschaft.
Erstmals sprach bei einem Festbankett auch Bürgermeister Florian Gallus in seiner neuen Eigenschaft als Mynheer „Flirtgraag van Groeteveel“ zu den Gästen. Er zeigte sich erfreut, dankbar und stolz, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die Pappenheim Jahr für Jahr mit kulturellem Leben bereichere und hier ihre Freundschaft pflege. Für seine Begrüßungsworte erhielt er ein kräftiges „Dunnerdn VAN“ der versammelten Mynheers.
Festzug zur Burg bildet den Abschluss
Bei sonnigem Wetter fand am Sonntag der traditionelle Festzug statt. Begleitet wurde er von einer Streife der Polizeiinspektion Treuchtlingen mit Dienststellenleiter EPHK Klaus Ziegler persönlich sowie von Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Pappenheim.
Erneut beteiligten sich auch rund 20 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Pappenheim unter der Leitung ihrer Rektorin Eva Pols. Mit selbst gebastelten Blumen sorgten sie für weitere farbenfrohe Akzente im Festzug.
Angeführt von der Feuerwehrkapelle Langenaltheim zog die bunte Schar zur Burg Pappenheim. Dort wurde zunächst am Ehrenmal des Niederlandt-Gründers Adrian van Os ein Kranz mit den drei Lilien niedergelegt.
Nach der Mittagspause näherte sich die 119. Groß Weltumbsegelung mit der traditionellen Maienpredigt von Wouter van Brunswijk ihrem Ende. Mit dem Einholen der niederländtischen Fahne und dem anschließenden Hissen der Fahne des gräflichen Hauses wurde die symbolische Herrschaft des Niederlandts beendet und die Stadt wieder an die Pappenheimer zurückgegeben.
