Die Taufe des Mohren Jamaika in Pappenheim

Einen eindrucksvollen Beitrag zum Kirchweihfest anlässlich des 550-jährigen Jubiläums der Stadtkirche leistete die Theatergruppe Pappenheim e.V. Mit der szenischen Darstellung der Taufe des Mohren Jamaika griff sie ein außergewöhnliches Kapitel der Pappenheimer Stadtgeschichte auf. Die Aufführung fand an dem Ort statt, an dem sich das historische Ereignis vor fast 300 Jahren tatsächlich abgespielt hatte.

Grundlage der Inszenierung waren die Aufzeichnungen des damaligen Mesners Martin Zuttel (dargestellt von Thomas Henle). In seiner Chronik schildert er die Taufe eines jungen Mannes afrikanischer Herkunft, der als Kriegsgefangener in die Hände eines Kammerdieners des Pappenheimer Grafenhauses gelangt war. Dieser brachte ihn von einer Reise aus der „Neuen Welt“ nach Pappenheim mit, wo er ihn der Gräfin Anna Maria Louise zum Geschenk machte. Um ein Teil der damaligen Gesellschaft werden zu können musste der Mohr nach vorheriger Unterrichtung getauft werden.

Von der Erzählerin Anette Pappler wurde die einleitende Geschichte eindrucksvoll berichtet.

Nach einem längeren Unterricht im christlichen Glauben beim Herrn Dechanten (Holger Wenzel) wurde der etwa 23-jährige Mann am 8. Juni 1733 in der Stadtkirche zu Pappenheim getauft. Zuttel beschreibt die Zeremonie bis ins Detail.

Bereits am frühen Morgen wurden die Glocken geläutet. Zahlreiche Vertreter des gräflichen Hauses, darunter Graf Friedrich Ferdinand (Peter Salisch), Gräfin Pappenheim, seine Frau (Marianne Pappler), Gräfin Anna Louisa von Leiningen-Dachsburg (Barbara Mürl), Frau Apothekerin Feuerlein (Irmgard Meyndt) und Frau Verwalterin Kern (Irene Salisch) mit ihrer Tochter (Mira Hassan).

Auch Geistliche, wie etwa der Bergpfarrer (Günther Kleber), Beamte und weitere Ehrengäste nahmen an der Feier teil. Der Täufling (Jenny Ottmann) legte nach den Aufzeichnungen des Mesners und auch bei der aktuellen Inszenierung ein sicheres Glaubensbekenntnis ab.

Bei der Taufe erhielt er den Namen Friedrich Ludwig Jamaica.

Die feierliche Zeremonie wurde damals von Gesängen, Gebeten und einer ausführlichen Predigt über Herkunft und Bekehrung der Heiden begleitet. Martin Zuttel selbst berichtet, dass er dem Täufling das weiße Taufgewand anzog, bei der Taufe das Wasser übergoss und anschließend die weiteren Aufgaben rund um die Feier übernahm.

Die Theatergruppe Pappenheim verstand es, diese historische Begebenheit mit viel Gespür und Respekt am Taufstein in der Stadtkirche darzustellen. Gerade weil die Aufführung am authentischen Ort stattfand, gewann sie eine besondere Wirkung. Die Besucher erhielten einen lebendigen Einblick in ein außergewöhnliches Ereignis aus der Pappenheimer Geschichte und in die religiösen und gesellschaftlichen Vorstellungen des 18. Jahrhunderts.

Die Zuttelchronik und auch die Erzählerin Anette Pappler berichtete auch vom weiteren Leben Friedrich Ludwig Jamaicas. Er heiratete am 3. September 1738 Johanna Deffner, die Tochter des Pappenheimer Scharfrichters. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Bereits am 10. November 1739 starb Friedrich Ludwig Jamaica im Alter von nur 29 Jahren an einem Blutsturz und wurde in Pappenheim beigesetzt.

Mit ihrer eindrucksvollen Darstellung machte die Theatergruppe Pappenheim die Geschichte wieder einmal auf besondere Weise erlebbar und setzte einen Höhepunkt des Kirchweihfestes zum 550-jährigen Jubiläum der Stadtkirche.




Pappenheimer Militärgeschichte in Wort und Bild

170 Jahre Vereinsgeschichte sind ein Zeitraum, in dem sich nicht nur ein Verein, sondern auch eine Stadt und ihr gesellschaftliches Umfeld grundlegend verändern. Genau diesen weiten Bogen spannt das Buch „Pappenheimer Militärgeschichte – 170 Jahre Militärverein Pappenheim“ von Phillip Engeler.

Auf mehr als 100 Seiten nimmt der Autor seine Leser mit auf eine historische Zeitreise durch die Geschichte des Pappenheimer Militärvereins. Dabei bleibt der Blick keineswegs allein auf das Vereinsleben gerichtet. Vielmehr werden auch die Grafschaft und das Bayerische Königreich in den historischen Zusammenhang einbezogen. So entsteht ein vielschichtiges Bild jener Zeitläufe, in denen der Militärverein seinen Platz in der Pappenheimer Geschichte gefunden und über Generationen hinweg behauptet hat.

Besonders reizvoll dürfte für historisch interessierte Pappenheimer das umfangreiche Bild und Quellenmaterial sein. Seltene Aufnahmen und wertvolle Dokumente ergänzen die Geschichten und machen manches sichtbar, was bislang vielleicht nur aus Erzählungen bekannt war oder im Verbrorgenen schlummerte. Geschichte wird auf diese Weise nicht nur beschrieben, sondern bekommt Gesichter, Orte und einen unmittelbaren Bezug zur Heimatstadt.

Dass sich 170 Jahre Vereinsgeschichte nicht in wenigen Zeilen erzählen lassen, versteht sich von selbst. Das Buch bietet deshalb Gelegenheit, tiefer in ein Stück Pappenheimer Vergangenheit einzutauchen und dabei sicherlich auch die eine oder andere bislang unbekannte Einzelheit zu entdecken. Gerade für Freunde der örtlichen Geschichte, aber auch als bleibende Erinnerung an ein besonderes Vereinsjubiläum, dürfte der Band einen Platz im heimischen Bücherregal finden.

Das Buch von Phillip Engeler ist zum Preis von 18 Euro erhältlich. Verkaufsstellen in Pappenheim sind die Tourist Information und der Burgshop. In Treuchtlingen gibt es das Buch bei der Firma Korn Buch Papier Spiel und in Weißenburg bei der Buchhandlung Meyer.

Titelbild: MRK Pappenheim




Pappenheim lädt Kinder zur spannenden Stadtrallye ein

Pappenheim lässt sich ab sofort auch auf spielerische Weise entdecken. Mit der neuen Kinderrallye gibt es ein Angebot, das sich an junge Entdecker und ihre Familien richtet und gleichzeitig die schönsten Ecken der Stadt näherbringt.

Begleitet werden die Teilnehmer von Ritter Papino, der auf einer abwechslungsreichen Entdeckungstour durch Pappenheim führt. Entlang der Strecke gilt es, verschiedene Fragen zu beantworten und dabei die Stadt mit offenen Augen zu erkunden. So verbindet die Rallye Wissenswertes mit Spaß und lädt dazu ein, bekannte und vielleicht auch bislang unbekannte Orte zu entdecken.

Wer den ausgefüllten Flyer anschließend in der Tourist-Information abgibt, darf sich über eine kleine Überraschung freuen.

Der Flyer zur Kinderrallye ist ab sofort kostenlos in der Tourist-Information erhältlich. Das neue Angebot richtet sich gleichermaßen an Gäste wie an Einheimische und bietet eine kurzweilige Möglichkeit, Pappenheim aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.

Die Stadt Pappenheim wünscht allen Kindern und ihren Begleitern viel Freude bei der Kinderrallye und eine spannende Entdeckungstour durch die die historische Stadt

 




Zeitreise auf dem Jüdischen Friedhof in Pappenheim

Wer die Geschichte Pappenheims einmal aus einer besonderen Perspektive entdecken möchte, hat dazu am Freitag, 12. Juni 2026, Gelegenheit. Unter dem Titel „Shalom in Pappenheim – eine Zeitreise mit Einblicken im Jüdischen Friedhof Pappenheim“ lädt Bürgerfrau Renata zu einer Führung über den historischen Friedhof ein.

Der Jüdische Friedhof gilt als der älteste jüdische Friedhof Mittelfrankens und ist ein bedeutendes Zeugnis der jahrhundertelangen jüdischen Lebens in Pappenheim. Bei der etwa einstündigen Führung unter dem Motto „Wenn Steine sprechen – die Spuren der Pappenheimer Juden“ erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in das Leben, Wirken und die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Pappenheim.

Beginn der Führung ist um 16 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Jüdischen Friedhof in der Bürgermeister-Rukwid-Straße. Die Teilnahme kostet 8 Euro pro Person.

Die Besucher erwartet eine spannende Zeitreise durch die Vergangenheit, bei der Grabsteine und historische Zeugnisse von Menschen erzählen, die das Leben in Pappenheim über viele Generationen hinweg mitgeprägt haben.

Die teilnehmenden männlichen Personen werden gebeten, aus Respekt vor der Tradition eine Kopfbedeckung zu tragen.

Interessierte sind herzlich eingeladen, in die lebendige Geschichte Pappenheims einzutauchen und einen besonderen Ort der Erinnerung und Begegnung kennenzulernen.




Für den MRK 1856 Pappenheim auf Spurensuche im Hausarchiv der Wittelsbacher

Im Jubiläumsjahr des Militärvereins und der Reservistenkameradschaft 1856 Pappenheim (MRK) richtet sich der Blick nicht nur zurück auf 170 Jahre Vereinsgeschichte, sondern auch tief hinein in die Archive der bayerischen Geschichte. Für die geplante Vereinschronik hat sich Philipp Engeler aus Zimmern auf Spurensuche begeben und dabei einen besonderen Ort aufsuchen dürfen, der selbst vielen Geschichtsinteressierten verschlossen bleibt.

Am 21. und 22. April führte ihn seine Recherche in das Geheime Hausarchiv der Wittelsbacher nach München. Der Zugang zu diesem traditionsreichen Archiv ist an besondere Voraussetzungen gebunden. Die erforderliche Genehmigung wurde durch Seine Königliche Hoheit Herzog Franz als Chef des Hauses Wittelsbach erteilt, ermöglicht durch die Empfehlung von Dr. Albrecht Graf von undzu Egloffstein. Ein Umstand, für den sich Philipp Engeler außerordentlich dankbar ist.

Im Mittelpunkt der Nachforschungen standen die Grafen zu Pappenheim, die sowohl dem Militärwesen als auch dem Königshaus eng verbunden waren. In einem ausführlichen Gespräch mit Archivdirektor Dr. Gerhard Immler zeigte sich, dass der Name Pappenheim im Hausarchiv Wittelsbach durchaus Gewicht besitzt. In der Folge erhielt Engeler Zugang zu einer außergewöhnlich umfangreichen königlichen Bildersammlung.

Dabei bot sich ihm eine seltene Gelegenheit. Er konnte originale Fotoalben der bayerischen Könige einsehen und eigenständig nach Spuren der Pappenheimer Grafen durchsuchen. Eine Aufgabe, die selbst erfahrene Historiker mit Respekt angehen. Für einen Nicht-Historiker bedeutete dies nicht nur große Verantwortung, sondern auch eine gewisse Anspannung. Hinzu kam die Herausforderung, historische Handschriften zu entziffern, die ein geübtes Auge verlangen.

Die Mühe blieb nicht ohne Ergebnis. Engeler gelang es, Bildbelege zu finden, die die Grafen von Pappenheim im Umfeld ihrer königlichen Dienstherren zeigen und damit ihre besondere Stellung bei Hof dokumentieren. Ergänzt werden diese Funde durch Schriftstücke, darunter Briefe von König Ludwig I. an Graf Carl, sowie eindrucksvolle Aufnahmen aus dem höfischen Umfeld.

Das Geheime Hausarchiv selbst gilt als eine der zentralen Quellen zur Geschichte Bayerns. Gegründet im Jahr 1799, vereint es heute Dokumente aus mehr als 800 Jahren. Neben offiziellen Akten umfasst es auch persönliche Nachlässe, Briefe und Tagebücher der Wittelsbacher. Trotz seines Namens handelt es sich weniger um ein verborgenes als vielmehr um ein historisch gewachsenes Familienarchiv mit besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen.

Mit Blick auf die entstehende Chronik verbindet Engeler seinen Bericht auch mit einem Anliegen. Gesucht werden weiterhin Bilder und Dokumente aus Pappenheimer Besitz, die zur Vervollständigung der Vereinsgeschichte beitragen können. Jede bislang unentdeckte Aufnahme könnte ein weiteres Puzzlestück sein, das die lange Tradition des Militärvereins lebendig werden lässt.

Titelbild: Geheimes Hausarchiv Wittelsbach
v.l: Dr. Gerhard Immler, Aruchivleiter und Philipp Engeler bei seinen Rechercehn




Erinnerung an Ursula Gräfin zu Pappenheim

Mit einer Ausstellung in der Arkade an der Stadtvogteigasse würdigt der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. den 100. Geburtstag von Ursula Gräfin zu Pappenheim. Die Präsentation wurde am Donnerstag, 9. April, eröffnet und ist bis Mitte Juni täglich rund um die Uhr zugänglich.

Den Auftakt bildete eine kleine Gedenkfeier in der St.-Gallus-Kirche. Die Erste Vorsitzende des Vereins, Renate Prusakow, zeichnete dabei ein einfühlsames Bild vom Wirken der Gräfin, die das öffentliche Leben Pappenheims über viele Jahrzehnte hinweg in besonderer Weise mitprägte. Nach ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung und einem entsprechenden Studium übernahm Ursula Gräfin zu Pappenheim zunächst Verantwortung für das Gut Altheimersberg und später für die gesamten land- und forstwirtschaftlichen Betriebe der Familie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gert Graf von der Recke-Volmerstein entwickelte sie diese erfolgreich weiter.

Ihr Engagement reichte jedoch weit über die unternehmerische Tätigkeit hinaus. Sie brachte sich über viele Jahre im Bayerischen Roten Kreuz ein, war Mitglied des Pappenheimer Stadtrates und engagierte sich mehr als zwei Jahrzehnte im evangelischen Kirchenvorstand. Ihr Wirken stand dabei stets im Zeichen des Gemeinwohls und blieb oft bewusst im Hintergrund.

Auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt setzte sie wichtige Impulse, etwa durch die Bereitstellung von Flächen für Unternehmen und Wohnbauprojekte. In der Erinnerung vieler Menschen ist sie bis heute als bodenständige und den Menschen zugewandte Persönlichkeit präsent.

Im Rahmen der Gedenkfeier an der auch Raily Gräfin von der Recke, die Tochter Gräfin Ursulas teilnahm, wurde mit dem Kreuz der Verbundenheit, das die Beziehungen zahlreicher Orte der einstigen Herrschaft Pappenheim symbolisiert, sowie einem Lichterherz an die Verstorbene erinnert. Im kleinen Kreis hielt man im stillen Gedenken Inne. Begleitet von Diakon Lothar Michel an der Gitarre erklang das Lieblingslied der Gräfin „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Nach dem Segen führte der Weg in die Stadtvogteigasse, wo die Ausstellung in der Arkade eröffnet wurde.

Die Gestaltung der Präsentation lag in den bewährten Händen der Pappenheimer Künstlerin Birgit van der Gang. Fotos und Texte wurden aus der Sammlung von Peter Prusakow zusammengestellt und lassen die Bedeutung von Ursula Gräfin zu Pappenheim für die Stadt und ihre Menschen lebendig werden.

Die Ausstellung ist bis Mitte Juni zu sehen. Im Anschluss ist an gleicher Stelle eine Präsentation zu Pappenheimer Werbeartikeln in Planung.




Pappenheim pflegt Erinnerung und Freundschaft mit Lützen

Der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. hat am Sonntag 15.03.2026 im Europäischen Haus die dritte Memory-Broschüre vorgestellt. Zahlreiche Gäste aus der Region sowie aus Lützen waren dazu nach Pappenheim gekommen. Im Mittelpunkt stand die Geschichtsreise des Jahres 2025 und die enge Verbindung beider Städte.

Vorsitzende Renate Prusakow blickte auf die Stationen der Reise zurück. Besuche historischer Orte, Führungen im Museum Lützen 1632 und gemeinsame Gedenkmomente hätten die Geschichte lebendig werden lassen. Die neue Broschüre halte diese Eindrücke fest und mache deutlich, wie sehr Begegnungen das Verständnis für die gemeinsame Vergangenheit prägen.

Landrat Manuel Westphal unterstrich die gewachsene Partnerschaft zwischen Pappenheim und Lützen. Über viele Jahre hinweg seien durch Projekte und persönliche Kontakte enge Verbindungen entstanden. Die Broschüre sei ein weiterer sichtbarer Ausdruck dieser Zusammenarbeit. Zugleich sprach er dem Heimat- und Geschichtsverein seinen Dank aus. Mit großem Engagement werde hier nicht nur die Geschichte Pappenheims bewahrt, sondern ein Beitrag für die gesamte Region geleistet. Wer seine Wurzeln kenne, könne Gegenwart und Zukunft besser einordnen.

Auch Bürgermeister Florian Gallus hob die Bedeutung solcher Initiativen für die Stadt Pappenheim hervor. Geschichte entstehe nicht allein aus Daten, sondern durch Austausch und persönliche Begegnungen. Der Verein trage dazu bei, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und weiterzugeben.

Lützens Bürgermeister Mirko Kother erinnerte an die historischen Verbindungen beider Städte bis zur Schlacht von 1632. Heute stehe jedoch die Freundschaft im Vordergrund. Die gewachsenen Kontakte seien Ausdruck einer lebendigen Erinnerungskultur und zugleich ein Zeichen für Verständigung und Frieden.

Die vorgestellte Broschüre greift diese Entwicklung auf. Sie dokumentiert Geschichte ebenso wie persönliche Begegnungen und zeigt, wie aus historischen Ereignissen eine partnerschaftliche Beziehung entstanden ist. Erhältlich ist sie in der Tourist-Information in Pappenheim.




HGV Pappenheim lädt zur Tagesfahrt ins jüdische Regensburg ein

Der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e. V. organisiert am Freitag, 24. April 2027, eine Tagesfahrt nach Regensburg. Unter dem Leitgedanken „Shalom in Regensburg ein Hauch der Geschichte weht uns auf der Donau um die Nase“ sind neben den Vereinsmitgliedern auch interessierte Gäste zur Teilnahme eingeladen.

Die Fahrt erfolgt auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Regensburg, die Einblicke in das jüdische Leben vor Ort ermöglicht. Zwischen Pappenheim und Regensburg besteht bis heute eine dokumentierte geschichtliche Verbindung.

Am Vormittag steht eine Führung durch die Jüdische Synagoge sowie das Gemeindezentrum mit Ausstellung auf dem Programm. Die Führung übernimmt Sylvia Seifert. Das Mittagessen wird vor Ort in koscherer Form angeboten.

Am Nachmittag besuchen die Teilnehmer das Alte Rathaus, in dem einst der Immerwährende Reichstag tagte. Unterwegs wird zudem ein Stolperstein aufgesucht. Im Anschluss bleibt Zeit für einen Rundgang durch die Altstadtgassen.

Über die Steinerne Brücke führt der Weg zum Hafen, wo die Gruppe auf das Schiff MS Bruckmandl geht. Eine Strudelfahrt auf der Donau mit Kaffee und Kuchen bildet den Abschluss des Aufenthalts.

Die Abfahrt erfolgt um 7 Uhr am Marktplatz in Pappenheim, die Rückkehr ist gegen 20 Uhr vorgesehen. Der Reisepreis beträgt 60 Euro pro Person und beinhaltet Busfahrt, Führungen, Mittagessen und Schifffahrt.

Eine Anmeldung ist bis spätestens 15. April 2026 bei Renate Prusakow unter der Telefonnummer 09143 1425 oder per E Mail an info@pappenheim-geschichte.de möglich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

 




Pappenheim und der wilde Faschingsdienstag von 1826

Der Fasching hatte in Pappenheim seit jeher seinen festen Platz – meist in geordneten Bahnen, gelegentlich mit viel beachteten Umzügen und fröhlichem Miteinander. Dass es aber auch anders kommen konnte, davon erzählt ein bemerkenswertes Schriftstück aus dem Stadtarchiv. Es führt genau 200 Jahre zurück in das Jahr 1826 – in eine Zeit, als das Pappenheimer Land noch keine zwei Jahrzehnte zu Bayern gehörte und das Neue Schloss gerade einmal vier Jahre alt war. In den Akten trägt die Begebenheit die Überschrift: „Tumultuarische Exzesse am Faschingsdienstag

Bürgermeister war damals Johann Georg Jakob Seybold, jüdischer Hofbuchdruckereibesitzer, gewählt auf sechs Jahre. Der Chronist Georg Fleischmann würdigte ihn als tatkräftigen, energischen und zielbewussten Mann, als Zierde des Handwerkerstandes und des Bürgertums. Zahlreiche Schriftstücke zeugen von seiner Gewandtheit, seiner Sachkenntnis und seiner Vertrautheit mit der Geschichte der Stadt. Einer, der Pappenheims Rechte mit Entschiedenheit zu verteidigen wusste.

Doch Seybold hatte einen mächtigen Gegenspieler: den gräflichen Regierungsrat und Herrschaftsrichter Johann Christoph Bunte. Zwischen Stadtmagistrat und Herrschaftsgericht knirschte es gewaltig. Das Gemeindeedikt von 1818 hatte den Städten neue Rechte eingeräumt – von der Ausübung der Polizeigewalt bis hin zur Zunftaufsicht und der Erteilung von Gewerbegerechtigkeiten. Doch vieles davon war umstritten. Das Herrschaftsgericht machte Ansprüche geltend, der Magistrat pochte auf seine Befugnisse. Ein Ringen um Zuständigkeiten – und um Einfluss.

Mitten in diese Spannungen platzte der Faschingsdienstag des Jahres 1826.

Ohne Anmeldung bei der Lokalpolizeibehörde formierte sich am 7. Februar ein Zug aus 20 bis 25 Bürgersöhnen und Handwerksburschen. Gegen drei Uhr zog der „ganze Schwarm“, wie Seybold später schrieb, ins Schwanenwirtshaus, von dort über den Markt und die Brücke in die Vordere Vorstadt zum Goldenen Löwen. Kreischende, „verstimmt disharmonische“ Instrumente kündigten das Kommen an, begleitet von einer Horde lärmender Kinder.

Eine Stunde später ging es unter lautem Getöse zurück in die Stadt, am gräflichen Schloss vorbei zum Hirschenwirtshaus. Für Bürgermeister Seybold war das Maß erreicht. Einen solchen „ordnungswidrigen, allen Anstand ausschließenden“ Aufzug könne er nicht dulden, notierte er. Er schickte den Polizeidiener Pöbel mit der klaren Ansage, man möge sich ruhig ins Wirtshaus begeben und Lärm auf der Straße unterlassen – andernfalls drohe Arrest.

Die Reaktion fiel anders aus. Statt Nachachtung brach der Haufen in brüllendes Gelächter aus, verhöhnte den Polizeidiener, schnitt Grimassen und steigerte das Gejauchze zu einem „wehrhaft tumultarischen Geschrei“. Neugierige strömten zusammen. Das polizeiliche Ansehen, so klagte Seybold, sei mit frivolem Übermut mit Füßen getreten worden. Jeder weitere Schritt hätte nur zu „folgereichsten ärgerlichsten Tätlichkeiten“ geführt.

In dieser Lage ließ Seybold mündlich Bericht erstatten und bat um höhere Einschreitung beim gräflichen Herrschaftsgericht. Doch von dort kam eine ganz andere Botschaft. Gerichtsdiener Friedrich Wiesner ließ im Auftrag des Regierungsrats Bunte ausrichten, die Leute sollten sich nur recht vergnügen. Daraufhin trank der Zug unter Schall und Getöse auf die Gesundheit des Herrn Regierungsrats.

Unterstützung durch die dem Herrschaftsgericht unterstellte Gendarmerie blieb aus. Das bunte Treiben verlagerte sich in die Wirtshäuser und dauerte bis spät in die Nacht. Seybold beschwerte sich beim Herrschaftsgericht und beim Königlichen Bezirksamt über das Verhalten von Gerichtsrat Bunte.

Was bleibt, ist mehr als eine launige Episode. Der Vorfall zeigt, wie sehr es in jener Zeit um Zuständigkeiten, Autorität und das Selbstverständnis der Stadt ging. Zwischen Rathaus und Herrschaftsgericht prallten unterschiedliche Auffassungen aufeinander – und der Fasching wurde zur Bühne eines handfesten Kompetenzstreits.

So erinnert der wilde Faschingsdienstag von 1826 daran, dass närrische Tage in Pappenheim nicht nur ausgelassene Freude, sondern mitunter auch politischen Zündstoff mit sich brachten. Und dass selbst kreischende Instrumente und fröhliche Handwerksburschen ihren Platz in der Pappenheimer Stadtgeschichte haben.

Das Titelfoto entstand bei einem Pappenheimer Rosenmontagszug in den 1950er Jahren.




Pappenheimer Geschichtsreise führt nach Lützen

Historisch interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Pappenheim und Umgebung haben sich Ende September aufgemacht, um der gemeinsamen Vergangenheit nachzuspüren. Ziel der zweiten „Pappenheimer Geschichtsreise“ war in diesem Jahr das sachsen-anhaltische Lützen – ein Ort, der eng mit dem Namen Pappenheim verbunden ist.

Im Mittelpunkt der Reise stand die Erinnerung an die Schlacht bei Lützen am 6./16. November 1632, eine der verlustreichsten Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges. Damals traf das kaiserliche Heer unter Wallenstein auf die protestantischen Truppen des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf. Beide Heerführer bezahlten den Tag mit dem Leben – wie etwa 9.000 weitere Soldaten.

Unter den Gefallenen war auch ein Pappenheimer: Graf Gottfried Heinrich zu Pappenheim, geboren in Treuchtlingen und später Landesherr in Pappenheim. Er war es, der schon in der Schlacht am Weißen Berge 1620 schwer verwundet wurde und seither den Beinamen „Schrammhans“ trug. Sein Tod auf dem Lützener Schlachtfeld ist nicht nur historisch bedeutend – er begründete auch die bis heute bestehenden engen Verbindungen zwischen Lützen und Pappenheim.

Seit über zwanzig Jahren pflegen der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und die Heimat- und Museumsfreunde Lützen e.V. regen Austausch. Auch bei der diesjährigen Reise, die erneut von Renate Prusakow organisiert wurde, stand der persönliche Kontakt im Mittelpunkt. Neben der Pappenheimer Delegation waren auch Vertreter aus Gräfenthal in Thüringen dabei – dort residierte von 1438 bis 1599 eine Seitenlinie derer von Pappenheim auf Schloss Wespenstein.

Lützens Bürgermeister Mirko Kother begrüßte die zahlreichen Gäste im Schloss seiner Stadt und nutzte die dreitägige Begegnung für intensive Gespräche. Ein Höhepunkt des Treffens war der Besuch der Gustav-Adolf-Gedenkstätte mit dem modernen Museum „1632“. Dort werden die eindrucksvollen Funde vom Schlachtfeld präsentiert, die zwischen 2006 und 2011 bei systematischen Grabungen zutage gefördert wurden: über 3.300 Einzelfunde, darunter Gürtelschnallen, Knöpfe, Kugelformen und über 2.300 Musketenkugeln, die mit GPS exakt verortet wurden.

Besonders bewegend war für viele Besucher das 2011 entdeckte Massengrab mit 47 gefallenen Soldaten. Die wissenschaftliche Aufarbeitung ermöglicht Einblicke in Ernährung, Gesundheitszustand, Verwundungen und sogar die Herkunft der Soldaten. Der jüngste war gerade einmal 15 Jahre alt.

Den zweiten Reisetag rundeten zwei Vorträge ab: Renate Prusakow blickte auf die Idee und Entwicklung der Geschichtsreisen zurück, während Maik Reichel – ehemaliger Bürgermeister und Museumsleiter – über die schlachtfeldarchäologischen Untersuchungen sowie zwei bedeutende Pappenheimer Geschichtsschreiber sprach. Erwähnt wurden Matthäus von Pappenheim (1458–1541), der eine reich illustrierte Familienchronik verfasste, und Graf Haupt zu Pappenheim (1869–1954), der tausende Urkunden sichtete und genealogische Tafeln erstellte.

Eine Andacht in der Gustav-Adolf-Kapelle beschloss den Tag, bevor es am dritten Reisetag weiter nach Leipzig ging. Dort beeindruckte insbesondere das Völkerschlachtdenkmal von 1913, das an die verlustreiche Schlacht von 1813 erinnert. Ein Rundgang durch die historische Altstadt mit Besuch von Auerbachs Keller – bekannt aus Goethes „Faust“ – rundete das Kulturprogramm ab.

Nach drei inhaltsreichen Tagen wurden die Gäste von ihren Lützener Freunden herzlich verabschiedet. Für das kommende Jahr ist die dritte Pappenheimer Geschichtsreise geplant – dann wird sie nach Gräfenthal führen, dem einstigen Sitz der thüringischen Linie der Pappenheimer.

 




Pappenheim feiert den St. Gallus Tag mit ökumenischer Andacht

Der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. lädt herzlich zur ökumenischen Andacht anlässlich des Gedenktages für den heiligen St. Gallus in die Galluskirche nach Pappenheim ein. Die feierliche Andacht findet am Donnerstag, den 16. Oktober 2025, um 18.00 Uhr in der ehrwürdigen St. Galluskirche statt – jener Kirche, die seit rund 1200 Jahren das Pappenheimer Stadtbild mitprägt und als ältestes sakrales Bauwerk der Stadt gilt.

Gemeinsam gestalten Bergpfarrer Gerd Schamberger und der katholische Pfarrer Robert Rapljenović die Andacht, die im Zeichen des Gedenkens, der Gemeinschaft und der ökumenischen Verbundenheit steht.

Im Anschluss lädt der Heimat- und Geschichtsverein zu einem stimmungsvollen Beisammensein bei Laternenschein in den ehemaligen Dechantshof ein. Dort ist Gelegenheit für gute Gespräche – und auch für ein kleines süßes Angebot: Selbstgebackene Kekse stehen für die Gäste bereit.

Der Verein freut sich über zahlreiche Besucherinnen und Besucher, die gemeinsam den St. Gallus-Tag begehen und die besondere Atmosphäre inmitten historischer Mauern erleben möchten.




115 Jahre Waldfrieden feierte Geschichte in Pappenheim

Mit einer ungewöhnlichen Zeitreise hat der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim & Ortsteile e. V. an die Einweihung der Einfamilienhaus-Kolonie „Waldfrieden“ vor genau 115 Jahren erinnert. Die damalige Feier vom 28. August 1910 wurde in zentralen Teilen nachgestellt – samt Musik, Festrede und Blick auf ein bedeutendes Kapitel sozialer Wohnkultur.

Der Auftakt der Veranstaltung fand diesmal nicht an der Bürgermeister-Rukwid-Straße selbst statt, sondern in der städtischen Arkade in der Stadtvogteigasse – nicht zuletzt, weil es im Umfeld der heutigen Wohnanlage Vorbehalte gegenüber einer öffentlichen Feier gab. Gleichzeitig bot die Arkade mit ihrer begleitenden Ausstellung zur Ofenfabrik Glöckel und Rukwid den passenden historischen Rahmen.

Musikalisch eröffnete Alfred Maderer mit seinem Ensemble, bevor der ehemalige Bürgermeister Martin Haagen – dargestellt von Manfred Walter – auf die Bühne trat und seine historische Rede von 1910 erneut hielt. Die Festansprache gab nicht nur einen Rückblick auf die konkrete Entstehungsgeschichte, sondern war zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für eine menschenwürdige Wohnkultur.

Wohnen als soziale Aufgabe
Haagens Rede zeichnete ein eindrückliches Bild der Zeit. In den Jahren vor 1910 lebten viele Arbeiterfamilien in Pappenheim unter unzumutbaren Bedingungen – beengt, unhygienisch, oft gesundheitsgefährdend. Die Industrialisierung hatte zwar Arbeit gebracht, aber keine ausreichenden Wohnverhältnisse. Auf Initiative sozial engagierter Bürger und mit Unterstützung der Regierung entstand daher die Baugenossenschaft „Waldfrieden“. Vorbild war unter anderem die Nürnberger Gartenstadtbewegung.

Der damalige Bürgermeister betonte in seiner Rede die Bedeutung von gutem, erschwinglichem Wohnraum als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt „Eigener Herd ist Goldes wert – Familienglück die Grundlage der Nation!“ Die Häuser seien nicht nur mit hochwertigem Baumaterial errichtet worden, sondern trügen auch in ihrer Gestaltung dem Bedürfnis nach einem würdevollen, selbstbestimmten Leben Rechnung.

Regeln für das Zusammenleben – und Verantwortung
Neben baulicher Qualität spielte auch die soziale Ordnung eine Rolle. Für die Bewohner der zwölf Einfamilienhäuser galten klare Verhaltensregeln, die das Zusammenleben regeln und den gemeinschaftlichen Charakter der Siedlung stärken sollten. Denn, eine Genossenschaft, so hieß es, müsse mit ihren Mitteln haushalten – nicht alles Wünschenswerte könne verwirklicht werden. Doch mit der gemeinsamen Verantwortung wachse auch der ideelle Wert des eigenen Heims.

Von den Wurzeln bis zur Gegenwart
Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine Rede der Vereinsvorsitzenden Renate Prusakow mit der Geschichte der Baugenossenschaft „Waldfrieden“ und Erinnerungen – etwa an die Familie Speckmeier, deren Vorfahre einst als erster Bewohner einzog und deren Nachkommen das Haus bis heute liebevoll erhalten. Auch die heutige Bewohnerin Adamina Mulder, die nach ihrem Umzug aus den Niederlanden ein Häuschen erwarb, wurde als lebendiges Beispiel für die andauernde Wirkung der einstigen Idee genannt.

Das 115-jährige Jubiläum endete, wie es sich für Pappenheim gehört, mit Musik und einem gemeinsamen Mittagessen im Gasthof Grüner Baum. Dass es nicht mehr dieselbe Atmosphäre ist wie im Jahr 1910, als die Einweihung noch mit Brotzeit am Schlossberg (Burghof) klangvoll endete, ist Teil des historischen Wandels. Doch das Ziel – ein gutes Miteinander und das Erinnern an gemeinsame Wurzeln – blieb spürbar.

Und so war es schließlich die Festrede des Bürgermeisters von einst, die in ihrer Klarheit und Weitsicht zeigte, wie sehr Wohnraum nicht nur Dach und Wand bedeutet, sondern Heimat, Würde und Zukunft.

Foto: Fabiola Diehl