Pappenheimer Geschichtsreise stärkt langjährige Freundschaft

Eine abwechslungsreiche Geschichtsreise führte eine Reisegruppe des Heimat- und Geschichtsvereins Pappenheim im September 2026 nach Thüringen. Auf dem Programm standen zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten, interessante Führungen und vor allem ein herzliches Wiedersehen mit den Freunden des Heimat- und Geschichtsvereins „Die Pappenheimer“ in Gräfenthal. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie lebendig die seit über 30 Jahren bestehende Freundschaft zwischen den beiden Vereinen ist.

Die Reise begann bei bestem Herbstwetter in Jena, wo die Teilnehmer vom 27-stöckigen Jena-Tower einen eindrucksvollen Blick über die Stadt genießen konnten. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Schiller-Gartenhauses, in dem Friedrich Schiller an seinem berühmten Drama „Wallenstein“ arbeitete. Mit diesem Werk ist auch Pappenheim durch den bekannten Ausspruch „Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer“ eng verbunden. Ursprünglich bezog sich dieser auf die Treue und Zuverlässigkeit der Kürassiere unter Graf Gottfried Heinrich zu Pappenheim, die im Heer Wallensteins dienten. Bei einer Führung durch das historische Gartenhaus und die Gartenanlage erfuhren die Reiseteilnehmer Wissenswertes über Schillers Leben und seine Begegnungen mit Johann Wolfgang von Goethe.

Herzlicher Empfang in Gräfenthal
Im thüringischen Gräfenthal wurde die Pappenheimer Reisegruppe von den Mitgliedern des dortigen Heimat- und Geschichtsvereins „Die Pappenheimer“ herzlich empfangen. Auch der ehrenamtliche Bürgermeister Marcel Kuhnen begrüßte die Gäste im Rathaussaal und freute sich über das anhaltende Interesse an der gemeinsamen Geschichte.

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Pappenheim und Gräfenthal reichen bis in die Zeit unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung zurück. Damals hatte Pfarrer Lange Pappenheim und die Burg Pappenheim besucht und damit den Grundstein für eine Verbindung gelegt, die bis heute von beiden Heimat- und Geschichtsvereinen gepflegt wird. Auch diesmal kam die Frage zur Sprache, weshalb aus dieser langjährigen Freundschaft bisher noch keine offizielle Städtepartnerschaft entstanden ist.

Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch der evangelischen Marienkirche. Nach einer kurzen Andacht erläuterte der Vorsitzende des Gräfenthaler Heimat- und Geschichtsvereins, Sir Henry Bechthold, die farbenprächtigen Epitaphien der Pappenheimer Grafenfamilie. Anschließend führte er die Gäste in die renovierte Gruft, die inzwischen auch wieder für Andachten genutzt wird.

Weitere Stationen waren das hoch über der Stadt gelegene Schloss Wespenstein und die Graf-Christoph-Ulrich-Regelschule, an deren Namensgebung einst auch Gräfin Ursula zu Pappenheim teilgenommen hatte.

Bewegende Erinnerungen an die deutsche Teilung
Einen nachdenklichen Einblick in die jüngere deutsche Geschichte vermittelte der Besuch des Deutsch-deutschen Museums Georgs-Stift in Gräfenthal. Die zweite Vorsitzende des örtlichen Heimat- und Geschichtsvereins, Christel Wiegand, führte die Gäste durch die Ausstellung, die an die ehemalige innerdeutsche Grenze und die damit verbundenen menschlichen Schicksale erinnert. Besonders eindrucksvoll waren die Darstellungen der Familien, die durch die deutsche Teilung voneinander getrennt wurden. Im Obergeschoss konnten die Besucher zudem eine Ausstellung zur Heimatgeschichte Gräfenthals besichtigen.

Neben der Geschichte kamen auch traditionelles Handwerk und regionale Besonderheiten nicht zu kurz. In der Porzellanfabrik Wagner & Apel in Lippelsdorf erläuterte Frau Krämer die Herstellung des sogenannten „Weißen Goldes“. Die Teilnehmer erfuhren dabei unter anderem, dass in dem Betrieb auch Porzellanschwäne für Schloss Neuschwanstein hergestellt werden.

Ein Besuch bei der Lauensteiner Pralinen-Manufaktur und ein Spaziergang in Spechtsbrunn am Rennsteig rundeten diesen Teil des Reiseprogramms ab.

Von Heilkräutern bis zur Glasbläserkunst
Weitere interessante Eindrücke sammelte die Reisegruppe in Saalfeld. Dort führte ein historischer Abendspaziergang rund um den Marktplatz schließlich zur St.-Josefs-Kirche, wo ein Orgelkonzert den Tag stimmungsvoll ausklingen ließ.

Im Olitätenmuseum in Schmiedefeld erfuhren die Besucher, unter welchen beschwerlichen Bedingungen die früheren Kräuterhändler ihre Waren transportierten. Mit schweren hölzernen Rückentragen zogen sie bei Wind und Wetter durch die Lande, um Heilkräuter, Salben und Tinkturen zu verkaufen. Die anschaulichen Erläuterungen und eine kleine Kostprobe Kräuterlikör machten diesen Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

Beeindruckend war auch die Besichtigung der Morassina-Tropfsteinhöhle. Neben den außergewöhnlichen Tropfsteinformationen erhielten die Teilnehmer Einblicke in die einst gefährliche und körperlich schwere Arbeit der Bergleute.

Zum Abschluss der Reise kam im Weihnachtshaus von Krebs Glas in Lauscha bereits vorweihnachtliche Stimmung auf. Zwischen kunstvoll gefertigten Glaskugeln, geschmückten Weihnachtsbäumen und gläsernen Vögeln konnten die Gäste einer Glasbläserin bei ihrer filigranen Arbeit zusehen. Bei Kaffee und Weihnachtsstollen fand das abwechslungsreiche Besuchsprogramm einen gemütlichen Ausklang.

Vorfreude auf ein Wiedersehen in Pappenheim

Mit vielen neuen Eindrücken und schönen Erinnerungen verabschiedeten sich die Pappenheimer von ihren Gastgebern. Die zweite Vorsitzende Christel Wiegand und Kassiererin Margot begleiteten den herzlichen Abschied.

Das nächste Wiedersehen ist bereits vorgesehen. Zum 20-jährigen Jubiläum des Heimat- und Geschichtsvereins vom 24. bis 26. September soll die Freundschaft in Pappenheim weiter gepflegt werden.

Die Geschichtsreise hat damit nicht nur zahlreiche interessante Einblicke in die Geschichte, Kultur und das traditionelle Handwerk Thüringens ermöglicht, sondern auch die besondere Verbundenheit zwischen den Geschichtsfreunden aus Pappenheim und Gräfenthal erneut gefestigt. Gerade diese persönlichen Begegnungen zeigen, welchen Wert die über Jahrzehnte gewachsenen Kontakte für beide Vereine haben.

Titelfoto: Claudia Dommel