Hofana-Stiftung in Pappenheim kann weiterhin keine Zuwendungen vergeben

Die Hofana-Stiftung in Pappenheim verfügt über ein beträchtliches Vermögen, kann aber seit 16 Jahren keine Zuwendungen mehr vergeben. Auch im Haushaltsjahr 2026 wird sich daran nichts ändern. Die Zinserträge reichen nicht aus, um den gesetzlich vorgeschriebenen Erhalt des Stiftungsvermögens sicherzustellen. Der Stadtrat hat deshalb in seiner Sitzung am 22. Oktober 2026 den Haushaltsplan und die Haushaltssatzung der Stiftung einstimmig beschlossen, ohne Mittel für soziale Zuwendungen vorzusehen.

Zinseinnahmen werden vollständig angespart
Für das Jahr 2026 rechnet die Hofana-Stiftung mit Zinseinnahmen von 8.100 Euro. Davon erhält die Stadt Pappenheim 1.500 Euro für die Verwaltung der Stiftung. Die verbleibenden 6.600 Euro fließen vollständig in die Sonderrücklage.

Damit sollen die gesamten Rücklagen von 443.700 Euro zu Jahresbeginn auf 450.300 Euro zum Jahresende anwachsen. Der Verwaltungshaushalt schließt mit jeweils 8.100 Euro in Einnahmen und Ausgaben ab, der Vermögenshaushalt mit jeweils 6.600 Euro.

Warum das Stiftungsvermögen nicht ausgegeben werden darf
Dass die Stiftung trotz ihrer hohen Rücklagen keine Zuschüsse vergeben kann, liegt an den gesetzlichen Vorgaben zum Erhalt des Grundstockvermögens. Dieses betrug ursprünglich 382.070 Euro und muss nicht nur in seiner ursprünglichen Höhe, sondern auch unter Berücksichtigung der Inflation erhalten bleiben.

Um den Kaufkraftverlust seit der Gründung auszugleichen, müsste das Grundstockkapital nach der Berechnung für 2025 inzwischen 812.926 Euro betragen. Tatsächlich waren jedoch nur 443.532 Euro vorhanden. Es fehlen somit rund 369.000 Euro, um den inflationsbereinigten Wert des ursprünglichen Vermögens zu erreichen.

Deshalb müssen die jährlichen Zinserträge zunächst angespart werden. Erst wenn darüber hinaus ausreichende Erträge zur Verfügung stehen, darf die Stiftung wieder Zuschüsse vergeben. Die letzte Ausschüttung erfolgte 2010. Damals erhielt das Bayerische Rote Kreuz 2.000 Euro für die Rettungswache.

Bürgermeister erinnert an den Stiftungsgründer
Um insbesondere die neuen Stadtratsmitglieder über die Hintergründe zu informieren, erläuterte Bürgermeister Florian Gallus bei der Haushaltsberatung auch die Geschichte und den Zweck der Hofana-Stiftung.

Gegründet wurde sie 1971 von dem Pappenheimer Unternehmer und späteren Ehrenbürger Georg Nestler, dem Inhaber der früheren Strickmodenfabrik Hofana. Nestler hatte sich schon zu Lebzeiten durch großzügige Unterstützung sozialer Einrichtungen und bedürftiger Menschen ausgezeichnet. Mit der Stiftung wollte er sicherstellen, dass sein Vermögen auch nach seinem Tod gemeinnützigen Zwecken dient. Deshalb setzte er die Stiftung als Alleinerbin ein.

Georg Nestler starb am 15. August 1976, vor 50 Jahren. Der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim hat in einem umfangreichen Beitrag an das Leben und Wirken des Unternehmers erinnert.

[Den Artikel über Georg Nestler finden Sie hier … ]

Die Hofana-Stiftung ist eine rechtlich selbstständige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Verwaltet und vertreten wird sie durch die Organe der Stadt Pappenheim. Der Stadtrat übernimmt zugleich die Aufgaben des Stiftungsrates.

Soziale Hilfe war das wichtigste Anliegen
Nach den ursprünglichen Stiftungsbestimmungen sollten vor allem die damaligen Männer- und Frauenbereitschaften des Bayerischen Roten Kreuzes sowie das Jugendrotkreuz in Pappenheim unterstützt werden. Außerdem sollten Zuwendungen dazu beitragen, hilfsbedürftigen älteren Menschen die Aufnahme in ein Pappenheimer Altenheim zu ermöglichen.

Da diese Fördermöglichkeiten in ihrer ursprünglichen Form inzwischen hinfällig geworden sind, kommen nach den Stiftungsbestimmungen unter bestimmten Voraussetzungen auch Kinderheime, Kindergärten und Waisenhäuser im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen als Empfänger infrage. Einrichtungen in Pappenheim haben dabei Vorrang.

Ein Grundstück erinnert an Charlotte Nestler
Zum Stiftungsvermögen gehört auch ein Grundstück bei Langenbruck an der Autobahn A 9 in der Gemarkung Hög, Gemeinde Reichertshofen. Dort erinnert ein Gedenkkreuz an Charlotte Nestler, die Ehefrau von Georg Nestler und Inhaberin der Strickmodenfabrik Hofana.
Sie kam im Oktober 1967 auf der Fahrt zur Modewoche nach München bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Auch der Fahrer des Fahrzeugs starb bei dem Unglück. Georg Nestler bewahrte das Andenken an seine Frau unter anderem durch die Gründung der Charlotte-Nestler-Stiftung.

Stiftungsauftrag bleibt bestehen
Mit dem einstimmigen Haushaltsbeschluss hat der Stadtrat die finanziellen Grundlagen der Hofana-Stiftung für 2026 festgelegt. Der ursprüngliche Auftrag des Stifters, soziale Einrichtungen und hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen, bleibt bestehen.

Wann die Stiftung diesen Auftrag wieder mit finanziellen Zuwendungen erfüllen kann, ist allerdings nicht absehbar. Denn zunächst muss das vorhandene Kapital weiter anwachsen, um den inflationsbedingten Wertverlust des Stiftungsvermögens auszugleichen.