Die Taufe des Mohren Jamaika in Pappenheim
Einen eindrucksvollen Beitrag zum Kirchweihfest anlässlich des 550-jährigen Jubiläums der Stadtkirche leistete die Theatergruppe Pappenheim e.V. Mit der szenischen Darstellung der Taufe des Mohren Jamaika griff sie ein außergewöhnliches Kapitel der Pappenheimer Stadtgeschichte auf. Die Aufführung fand an dem Ort statt, an dem sich das historische Ereignis vor fast 300 Jahren tatsächlich abgespielt hatte.
Grundlage der Inszenierung waren die Aufzeichnungen des damaligen Mesners Martin Zuttel (dargestellt von Thomas Henle). In seiner Chronik schildert er die Taufe eines jungen Mannes afrikanischer Herkunft, der als Kriegsgefangener in die Hände eines Kammerdieners des Pappenheimer Grafenhauses gelangt war. Dieser brachte ihn von einer Reise aus der „Neuen Welt“ nach Pappenheim mit, wo er ihn der Gräfin Anna Maria Louise zum Geschenk machte. Um ein Teil der damaligen Gesellschaft werden zu können musste der Mohr nach vorheriger Unterrichtung getauft werden.
Von der Erzählerin Anette Pappler wurde die einleitende Geschichte eindrucksvoll berichtet.
Nach einem längeren Unterricht im christlichen Glauben beim Herrn Dechanten (Holger Wenzel) wurde der etwa 23-jährige Mann am 8. Juni 1733 in der Stadtkirche zu Pappenheim getauft. Zuttel beschreibt die Zeremonie bis ins Detail.
Bereits am frühen Morgen wurden die Glocken geläutet. Zahlreiche Vertreter des gräflichen Hauses, darunter Graf Friedrich Ferdinand (Peter Salisch), Gräfin Pappenheim, seine Frau (Marianne Pappler), Gräfin Anna Louisa von Leiningen-Dachsburg (Barbara Mürl), Frau Apothekerin Feuerlein (Irmgard Meyndt) und Frau Verwalterin Kern (Irene Salisch) mit ihrer Tochter (Mira Hassan).
Auch Geistliche, wie etwa der Bergpfarrer (Günther Kleber), Beamte und weitere Ehrengäste nahmen an der Feier teil. Der Täufling (Jenny Ottmann) legte nach den Aufzeichnungen des Mesners und auch bei der aktuellen Inszenierung ein sicheres Glaubensbekenntnis ab.
Bei der Taufe erhielt er den Namen Friedrich Ludwig Jamaica.
Die feierliche Zeremonie wurde damals von Gesängen, Gebeten und einer ausführlichen Predigt über Herkunft und Bekehrung der Heiden begleitet. Martin Zuttel selbst berichtet, dass er dem Täufling das weiße Taufgewand anzog, bei der Taufe das Wasser übergoss und anschließend die weiteren Aufgaben rund um die Feier übernahm.
Die Theatergruppe Pappenheim verstand es, diese historische Begebenheit mit viel Gespür und Respekt am Taufstein in der Stadtkirche darzustellen. Gerade weil die Aufführung am authentischen Ort stattfand, gewann sie eine besondere Wirkung. Die Besucher erhielten einen lebendigen Einblick in ein außergewöhnliches Ereignis aus der Pappenheimer Geschichte und in die religiösen und gesellschaftlichen Vorstellungen des 18. Jahrhunderts.
Die Zuttelchronik und auch die Erzählerin Anette Pappler berichtete auch vom weiteren Leben Friedrich Ludwig Jamaicas. Er heiratete am 3. September 1738 Johanna Deffner, die Tochter des Pappenheimer Scharfrichters. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Bereits am 10. November 1739 starb Friedrich Ludwig Jamaica im Alter von nur 29 Jahren an einem Blutsturz und wurde in Pappenheim beigesetzt.
Mit ihrer eindrucksvollen Darstellung machte die Theatergruppe Pappenheim die Geschichte wieder einmal auf besondere Weise erlebbar und setzte einen Höhepunkt des Kirchweihfestes zum 550-jährigen Jubiläum der Stadtkirche.