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Der Höhepunkt des Festjahres

Die Freiwillige Feuerwehr Pappenheim hat im historischen Ahnensaal auf der Pappenheimer Burg im Kreise der Feuerwehrmitglieder und ihrer Angehörigen, zusammen mit geladenen Ehrengästen ihr 150jähriges Gründungsfest gefeiert. Otto Schober wurde zum Ehrenkommandant ernannt und gleichzeitig für 40-jährigen Feuerwehrdienst geehrt. Stadtpfarrer Jürgen Poppe und Bergpfarrer Gerd Schamberger weihten in der Burgkapelle die neue Standarte und die Theatergruppe Pappenheim veranschaulichte in einem Einakter die schwierige Gründungsphase der Freiwilligen Feuerwehr Pappenheim vor über 150 Jahren.

Sieben Jahre lang dauerten die Geburtswehen, bis durch die nachhaltigen Aktivitäten des 1861 gegründeten Turnvereins Pappenheim am 2. November 1868 die Freiwillige Feuerwehr Pappenheim aus der Taufe gehoben werden konnte. Aber die freiwilligen Brandbekämpfer hatten damals zunächst kein gutes Ansehen. Der Argwohn des Magistrats, persönliche Eitelkeiten und Flügelkämpfe in der Gesellschaft beeinträchtigten auch damals in Pappenheim schon ein friedliches Miteinander. Ludwig Graf und Herr zu Pappenheim war es dann, der  ein halbes Jahr nach der Gründung  das Ansehen der Freiwilligen Feuerwehr enorm stärkte. Nach dem Brand in der Gräflichen Brauerei  ließ er der Feuerwehr ein Dankschreiben zukommen, indem er seine „höchsteigenen Gefühle inniger Dankbarkeit gegen die hiesige freiwillige Feuerwehr wegen der bei dem jüngsten Brandunglück von ihr geleisteten ersprießlichen Dienste“ zum Ausdruck brachte und der Feuerwehr ein Darlehen von 500 Gulden zur Anschaffung notwendiger Gerätschaften zukommen ließ.

Da hat es durchaus historische Substanz, wenn die Freiwillige Feuerwehr Dr. Albrecht Graf von und zu Egloffstein zum Schirmherrn ihres Jubiläums auswählt.

Dieser hat die Schirmherrschaft im November 2018 sehr gerne angenommen (wir haben berichtet). Zum Festabend hat der Schirmherr mit seiner Familie der Freiwilligen Feuerwehr die Ehre gegeben, wobei sein Sohn, Johannes Graf von und zu Egloffstein, der auch Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, eigens für das Jubiläum aus London angereist ist.

Unter den Ehrengästen befanden sich auch die Geistlichen beider Konfessionen, Pappenheims Bürgermeister Uwe Sinn zusammen mit dem Feuerwehrreferenten Florian Gallus, Landrat Gerhard Wägemann, Bundestagsabgeordneter Arthur Auernhammer und  Landtagsabgeordneter Manuel Westphal. Aus der Führungsriege der Landkreisfeuerwehr waren Kreisbrandrat Werner Kastner, die Kreisbrandinspektoren Volker Satzinger und Eduard Ott, sowie Kreisbrandmeister OttoSchober gekommen.

Ihnen allen galt ein herzliches Willkommen des 1. Vorsitzenden Maximilian Löffler und des 1. Kommandanten Martin Veitengruber.

Dr. Albrecht Graf von und zu Egloffstein betonte in seiner Festrede erneut, dass er die Schirmherrschaft mit großer Freude angenommen habe, weil ihm die hervorragende Bedeutung der Feuerwehr in der Gesellschaft sehr bewusst sei. Darüber hinaus sei es der Grafschaft von alters her ein Anliegen das Allgemeinwohl zu fördern.

Die nun fast ein dreiviertel Jahrhundert andauernde Friedenszeit sei in der 1.000jährigen Geschichte des Landes etwas Einzigartiges und  ganz besonderes. „Trotzdem lässt die Entwicklung in unserem Land an Vielem zweifeln und große Befürchtungen aufkommen“, betonte der Schirmherr.
Umso mehr sei es deshalb zu unterstreichen, dass die Feuerwehren, welche die anspruchsvollste Form des Einsatzes für die Allgemeinheit in Friedenszeiten leisten hier ein sehr deutliches positives Gegenzeichen zum allgemeinen Trend setzen.
Umso unverständlich und in keiner Weise akzeptabel sei es  daher, dass für berechtigten Wünsche der Feuerwehren die verantwortlichen Personen und Gremien „viel zu oft eine mehr als knausrige Haltung zeigen“, legte der Schirmherr den Finger in die Wunde.
Auch dass Einsatzkräfte blockiert, behindert, beschimpft und sogar angegriffen werden bezeichnete er als besonders ekelhaft und niederträchtig.
Aber – so machte Graf Egloffstein den Einsatzkräften zum Schluss seiner Rede Mut : „Seien Sie versichert, dass die große, leider viel zu oft schweigende Mehrheit in unserem Lande Ihre Arbeit zu schätzen weiß, sie achtet und überaus dankbar ist.“

Landrat Gerhard Wägemann lobte die Freiwilligen Feuerwehren als  Nothelfer ohne deren unbezahlbare ehrenamtliche Hilfe „die Wahrung der öffentlichen Sicherheit nicht im Geringsten so gegeben wäre, wie sie es ist.“ Darüber hinaus seien die Feuerwehren fester Bestandteil im kulturellen Leben der Kommunen. Er wünschte der Jubelwehr noch ein gutes Gelingen im Festjahr und eine Sogwirkung des Kreisjugendfeuerwehrtages 2019 in Pappenheim für die Jugendarbeit der Pappenheimer Wehr. Als Anerkennung des Landkreises hatte er für die Jubelwehr ein im Kuvert verpacktes Geschenk mitgebracht.

„Würde es heute noch gelingen eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen? Heute, wo alles nach dem Staat schreit? “ Fragte Arthur Auernhammer bei seinem Grußwort. Er verwies auf die ständig wachsenden Herausforderungen und beglückwünschte die Pappenheimer Wehr auch zu der Entscheidung einen Festabend in einem Rahmen zu veranstalten, bei dem die eigenen Mitglieder ihr Jubiläum auch selbst feiern können.

Neben dem  bergen, schützen, retten sei es auch die Kameradschaft beim Einsatz und beim Feiern die eine Feuerwehr ausmacht, betonte Manuel Westphal in seinem Grußwort. Er begrüßte es sehr, dass die Pappenheimer Wehr eine intakte Jugendfeuerwehr und einen  beachtlichen Frauenanteil habe. „Da müssen andere Wehren noch dran arbeiten“ meinte Westphal.

Für die Stadt Pappenheim überbrachte Bürgermeister Uwe Sinn die besten Wünsche und verknüpfte den Dank an die Einsatzkräfte auch mit dem Dank an deren Angehörige.  Mitgebracht hatte Bürgermeister Sinn auch  Nadine Gempel, die für die Sparkasse Mittelfranken Süd die Filiale Pappenheim leitet. Sie übergab an die Pappenheimer Wehr einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro.

Die Grüße und Glückwünsche überbrachte Kreisbrandrat Werner Kastner von der Landkreisfeuerwehr und auch im Namen aller weiteren 126 Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises. Pappenheim sei eine wichtige Stützpunktfeuerwehr im Landkreis und  der Kreisbrandrat dankte der Stadt für die Unterstützung der Feuerwehren. Allerdings forderte Kastner erneut, für diese wichtige Feuerwehr in Pappenheim ein neues Feuerwehrhaus zu planen und zu verwirklichen. Der momentane Zustand des Feuerwehrhauses sei nicht mehr zeitgemäß.

Ehrungen, Ernennungen und Ausbildung

In diesem würdigen Rahmen in den 1000 Jahre alten Mauern der Burg  wurde  Susanne Lampmann, die erste Frau in den Reihen der aktiven Feuerwehrkräfte und Günter Hanke für eine 25-jährige aktive Dienstzeit ausgezeichnet.

Kreisbrandmeister Otto Schober, der bis Dezember letzten Jahres 29Jahre lang Kommandant der Pappenheimer Feuerwehr war bekam die Auszeichnung für 40 Jahre aktiven Feuerwehdienst.

Zu seiner großen Überraschung bedachte ihn die Vorstandschaft mit dem Amt des Ehrenkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Pappenheim.

Mit Beförderungen und der Übergabe von Zeugnissen erinnerte 1. Kommandant Martin Veitengruber bei dem Festabend auch an die dienstlichen Angelegenheiten.

So erhielt der 2. Kommandant Michele Eckerlein die Ernennung zum Oberlöschmeister. Timor Razakov hat den Maschinistenlehrgang für Tragkraftspritzen und Löschfahrzeuge erfolgreich abgeschlossen und Moritz Herzner hat den Grundkurs als Motorsägenführer absolviert.

Ihre Urkunden für das Basismudul 1 bei der Modularen Truppmannausbildung erhielten

Luisa Bronkorsky, Anna Maria Burzler, Maleen Lampmann und  Till Leinweber.

Standarte eingeweiht

Zum 150. Gründungsfest hat sich die Freiwillige Feuerwehr Pappenheim eine Standarte angeschafft, die bei einer feierlichen Andacht in der Burgkapelle von Stadtpfarrer Poppe und Pfarrer Schamberger geweiht und gesegnet wurde. Das neue Prachtstück ziert bereits ein prunkvolles Fahnenband, das der Schirmherr gestiftet hat. Und auch an den Anschaffungskosten will sich Graf Egloffstein beteiligen.

Gelebte Geschichte

Zum Abschluss es offiziellen Teils gab es einen Einakter, den Anette Pappler für die Theatergruppe Pappenheim nach Auswertung historischer Aufzeichnungen inszeniert und organisiert hat. In dem Stück zeigten die Turner Holger Wenzel, Lutz Arnold, Fabian Schober, Maximilian Löffler, Thomas Henle und Manfred Walter, wie es bei der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Pappenheim vor 150 Jahren zugegangen sein mag. Die historisch belegten Personen sind Bürgermeister Rukwid (Günther Kleber), Bezirkstierarzt Wilhelm Deisinger (Daniel Enderlein) und Notar Schöntag (Benedikt Herzog).