Anwohner und Bauausschuss beraten über den Ausbau der Charlotte-Nestler-Straße in Pappenheim
Seit fast einem Jahrzehnt beschäftigt der Ausbau der Charlotte-Nestler-Straße den Pappenheimer Stadtrat. Nachdem bereits 2018 ein Grundsatzbeschluss für den Vollausbau der rund 350 Meter langen Straße gefasst worden war, nahm der Stadtrat das Thema am 26. März dieses Jahres erneut auf. Damals wurde beschlossen, den Bauausschuss zu beauftragen, gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern vor Ort die sinnvollste Ausbauvariante zu beraten und dem Stadtrat eine Empfehlung vorzulegen.
Genau dieser Auftrag stand nun im Mittelpunkt der ersten Sitzung des neu gebildeten Bauausschusses am 29.06.2026. Statt im Sitzungssaal begann die Beratung direkt in der Charlotte-Nestler-Straße. Rund zehn Anwohnerinnen und Anwohner nutzten die Gelegenheit, ihre Anregungen und Bedenken unmittelbar einzubringen. Unterstützt wurde die Besichtigung von Reinhard Vulpius vom Ingenieurbüro VNI, der die planerischen Grundlagen sowie die verschiedenen Ausbauvarianten erläuterte.
Variante 3 bleibt die bevorzugte Lösung
Bereits zu Beginn der Beratung zeichnete sich ab, dass die sogenannte Variante 3 weiterhin die Grundlage der weiteren Planungen bilden soll. Diese war bereits 2018 vom Stadtrat beschlossen worden und wird auch weiterhin vom Ingenieurbüro empfohlen. Sie bietet nach Auffassung der Planer den besten Kompromiss zwischen Verkehrssicherheit, Parkmöglichkeiten und den örtlichen Gegebenheiten.
Der vorgesehene Regelquerschnitt sieht vor:
Gehweg 1,30 Meter
Parkstreifen 1,80 Meter
Fahrbahn 4,25 Meter
gegenüberliegender Gehweg beziehungsweise Notgehweg rund 1,0 Meter
Nach Einschätzung des Ingenieurbüros genügt die Fahrbahnbreite weiterhin dem Begegnungsverkehr zweier Pkw bei angepasster Geschwindigkeit. Gleichzeitig vermindere der Querschnitt dieser Ausbauvariante das Risiko, dass Oberflächenwasser auf angrenzende Grundstücke läuft. Auch die vorgesehenen Längsparkplätze entsprächen dem heutigen Parkverhalten.
Die Fahrbahn der Charlotte-Nestler-Straße soll wie bisher mit einer Asphaltoberfläche ausgeführt werden. Zur Abgrenzung des Gehwegs ist ein drei Zentimeter hoher Granitbord vorgesehen, der den Straßenraum optisch gliedert, ohne eine größere Barriere zu bilden. Der Parkstreifen und der Gehweg sollen mit Betonpflaster gestaltet werden.
Gehweg kann die Straßenseite wechseln
Lebhaft diskutiert wurde während des Ortstermins insbesondere die Anordnung der Gehwege. Aus der Anwohnerschaft kam der Vorschlag, den 1,30 Meter breiten Gehweg nicht wie bislang geplant auf der Bergseite, sondern auf die Talseite zu verlegen.
Zur Begründung wurde angeführt, dass Fußgänger entlang der hohen Mauern auf der Bergseite schon heute kaum unterwegs seien. Stattdessen werde überwiegend die gegenüberliegende Straßenseite genutzt. Planer Reinhard Vulpius sowie Bürgermeister Florian Gallus zeigten sich für diese Anregung offen. Ein solcher Wechsel sei ohne Auswirkungen auf die Gesamtplanung möglich.
Ebenfalls angesprochen wurde die vorgesehene Begrünung. Dabei bestand unter den Beteiligten Einigkeit, dass zusätzliche Bäume zwar das Straßenbild aufwerten könnten, dies jedoch nicht zulasten dringend benötigter Parkflächen gehen sollte.
Ausbau umfasst weit mehr als die Straße
Deutlich wurde bei der Vorstellung der Planungen auch, dass der eigentliche Straßenbau nur einen Teil des Gesamtprojektes ausmacht. Voraussetzung für den Ausbau ist zunächst die Erneuerung der unterirdischen Infrastruktur.
So soll entlang der gesamten Charlotte-Nestler-Straße ein neuer Regenwasserkanal entstehen. Er soll insbesondere bei Starkregen die großen Wassermengen aufnehmen, die vom Zimmerer Berg über den Bereich Dreilinden auf die Straße fließen. Das Regenwasser wird anschließend über die Bürgermeister-Oppel-Straße und den Helmut-Gollwitzer-Weg in Richtung Altmühl abgeleitet.
Im nördlichen Abschnitt ist darüber hinaus ein Anschlusskanal erforderlich. Über ihn soll künftig auch das Abwasser aus den Grafendörfern, das durch das Göhrener Tal verläuft, in Richtung Bürgermeister-Oppel-Straße geführt werden. Gleichzeitig ist vorgesehen, die Wasserleitung im gesamten Ausbaubereich vollständig zu erneuern.
Einbezogen in die Baumaßnahmen ist auch die Sanierung der Treppenanlage im südlichen Planungsbereich, welche die Charlotte -Nestler-Straße und die Bürgermeister-Oppel-Straße verbindet. „Diese Treppe widerspricht allen Sicherheitsregeln“, erklärte Reinhard Vulpuis dem Bauausschuss.
Fertigstellung frühestens 2029
Nach dem derzeitigen Planungsstand würden nach einem endgültigen Beschluss zunächst im Laufe des Jahres 2026 die Planunterlagen überarbeitet, die Kosten aktualisiert und die Ausschreibungen vorbereitet. Für 2027 wären der Bau der Abwasseranlagen und die Erneuerung der Wasserleitung vorgesehen. Die eigentlichen Straßenbauarbeiten könnten im günstigsten Fall 2028 beginnen und 2029 abgeschlossen werden. Für die Anlieger bedeutet dies nach Einschätzung des Ingenieurbüros eine Bauzeit von rund zwei Jahren mit teilweise erheblichen Beeinträchtigungen der Anwohner.
Bürgermeister Gallus machte allerdings deutlich, dass dieser Zeitplan unter dem Vorbehalt der finanziellen Möglichkeiten der Stadt steht. Maßgeblich sei letztlich die jeweilige Haushaltsplanung.
Kosten werden voraussichtlich steigen
Die derzeit vorliegenden Kostenberechnungen stammen noch aus dem Jahr 2018 und dürften angesichts der Preisentwicklung inzwischen deutlich höher ausfallen.
Damals wurden für den Straßenbau rund 985.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen etwa 520.000 Euro für den Kanalbau in der Charlotte-Nestler-Straße sowie rund 217.000 Euro für die erforderlichen Arbeiten in der Bürgermeister-Oppel-Straße. Im Zuge der weiteren Planung sollen diese Zahlen aktualisiert werden.
Einstimmige Empfehlung an den Stadtrat
Am Ende der Vor-Ort-Beratung sprach sich der Bauausschuss im Sitzungssaal einstimmig dafür aus, dem Stadtrat weiterhin die bereits 2018 beschlossene Variante 3 als Ausbaugrundlage zu empfehlen. Gleichzeitig soll jedoch die Anregung aus der Bürgerschaft in die Beschlussempfehlung aufgenommen werden, den breiteren Gehweg auf die gegenüberliegende Straßenseite zu verlegen. (Von der Beckstraße aus gesehen links statt rechts).
Damit wurde deutlich, dass die Einbindung der Anwohnerinnen und Anwohner nicht nur ein formaler Schritt war. Mehrere Hinweise aus der Bürgerschaft flossen unmittelbar in die weiteren Überlegungen ein – ganz im Sinne des Auftrags, gemeinsam vor Ort nach der für alle Beteiligten bestmöglichen Lösung zu suchen.