Moderne Technik und Tradition bei den Pappenheimer Schützen

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Im Rahmen eines Festabends und eines Bürgerschießens hat die Privilegierte Schützengesellschaft 1491 Pappenheim die neu eingebauten elektronischen Schießstände ihrer Bestimmung übergeben. Karl Winter gab den besten Schuss auf die von Bürgermeister Sinn gestiftete Einweihungsscheibe ab. Nadine Gallus erzielte am Tag darauf beim Bürgerschießen das beste Ergebnis und erhielt dafür die Bürgerscheibe, die Bärbel und Rolf Kießlinger gestiftet haben.

Im vollbesetzten Schützenhaus am Lachgartenweg konnte 1. Schützenmeister Robert Deffner zahlreiche geladene Gäste begrüßen. Dazu gehörten Iniga Gräfin von und zu Egloffstein, Dekan Wolfgang Popp und Stadtpfarrer Jürgen Poppe, Landratstellvertreter Peter Krauß, 1. Bürgermeister Uwe Sinn, Sportreferent Gerhard Gronauer und Ehrenbürger Hans Navratil. Gauschützenmeister Klaus Kemmelmeier war mit einer Abordnung des Schützenmeisteramtes gekommen. Von den Pappenheimer Vereinen waren die Freiwillige Feuerwehr, der Heimat- und Geschichtsverein, die Reservisten- und Kriegerkameradschaft, der Theaterverein und die TSG Pappenheim der Einladung der Schützen gefolgt.

Obwohl man heute mit der Einweihung der elektronischen Schießstände den Weg in die schießtechnische Zukunft beschreite, wolle man die traditionellen Wurzeln der Privilegierten Schützengesellschaft Pappenheim nicht vergessen, betonte 1. Schützenmeister Robert Deffner. Diese wurde unter dem Patronat der Pappenheimer Reicherbmarschälle 1491 gegründet und hatte die Bevölkerung der Stadt vor feindlichen Übergriffen zu schützen. Noch heute gibt es eine enge Verbindung des Gräflichen Hauses mit der Schützengesellschaft betonte auch Gräfin Iniga von und zu Egloffstein in ihrem Grußwort.

Bei einer Andacht bekam die moderne Sportschießanlage dann auch den christlichen Segen, wobei Dekan Popp und Stadtpfarrer Poppe Gottes Segen für einen unfallfreien und störungsfreien Betrieb erbaten. „Hoffentlich gibt es jetzt keinen Kurzschluss“ scherzte Stadtpfarrer Jürgen Poppe, als er sich anschickte aus dem Aspergill die Anlage mit Weihwasser zu besprengen.

Von historischen Besonderheiten der Schützengesellschaft aus Hof konnte  Dekan Wolfgang Popp in seinem Grußwort erzählen, deren Tradition schon im Jahre 1432 begonnen hat. Zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt bekamen die Bürger vom Markgrafen 10 Jahre Steuerfreiheit unter der Voraussetzung, dass sie sich bewaffnen und ihre Stadt vor feindlichen Angriffen schützen. Später erhielten die Schützen in Hof sogar ein Braurecht und noch heute dürfen die besten Schützen der Stadt ein Jahr lang auf öffentlichen Parkplätzen in der Stadt Hof kostenlos parken.

Die lange Tradition des Schützenwesens in Pappenheim habe gezeigt, dass es Erfolg hat, füreinander da zu sein und sich für das Gemeinwohl zu engagieren.

Heute sei daraus ein Sport geworden, der die Konzentration fördere und Entspannung schaffe. Er führe Menschen ganz unterschiedlicher Grundlagen durch Überzeugungen zusammen. „Alles, was uns Menschen in einem friedvollen Miteinander zusammenbringt und gut tut, das segnet Gott; da bin ich mir sicher“, schloss Dekan Popp sein Grußwort.

„Die Stadt muss nicht mehr verteidigt werden und auch der Backtrog wird nicht mehr beschlossen“, stellte auch Landratstellvertreter Peter Krauß auf die Historie der Pappenheimer Schützen ab. Er lobte das Engagement des Vereins und die enorme Eigenleistung beim Einbau der Schießanlage. Es zeichne die Pappenheimer Schützen aus, dass sie etwas auf die Beine stellen, meinte Krauß und wünschte allzeit „Gut Schuss“.

Bürgermeister Uwe Sinn lobte das lebendige Vereinsleben und den Schritt in ein modernes Schützenwesen. Damit werde die Attraktivität des Vereins gesteigert. Er dankte allen, die sich für den Verein eingesetzt haben und beglückwünschte die Vorstandschaft zu dem mutigen Schritt in die Zukunft.

Die trefflichsten Worte, so Sportreferent und Stadtrat Gerhard Gronauer, zeichneten sich durch Wahrheit, Klarheit und Kürze aus. Deshalb gratulierte auch er ein aller Kürze dem Verein, wies aber noch darauf hin, dass die neue Schießanlage im Rahmen der Sportförderung von der Stadt Pappenheim bezuschusst wurde.

Gauschützenmeister Klaus Kemmelmeier erörterte in seinem Grußwort die Notwendigkeit des technischen Fortschritts auch im Schützenwesen. Schließlich hätten sich seit Gründung der Pappenheimer Schützengesellschaft im Jahre 1491 allerhand getan in der Entwicklung der Waffen und auch im Bereich der Trefferauswertung.

Für den Einweihungsabend hatte 1.Bürgermeister Uwe Sinn eine Festscheibe gestiftet, die von den geladenen Gästen herausgeschossen wurde. Karl Müller vom Gau-Schützenmeisteramt hatte dann letztlich den besten Schuss abgegeben und wurde Gewinner der Festscheibe. Behalten darf er sie aber nicht, weil sie als Erinnerungsstück im Pappenheimer Schützenhaus bleibt.

Die Geschichte der Anlage
Bei der Jahreshauptversammlung im März 2017 hatte die Vorstandschaft für die Anschaffung von 10 elektronischen Schießständen von  Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung die Zustimmung erhalten. In Eigenleistung wurden alle handwerklichen Vorbereitungen einschließlich der Verkabelung erbracht, wofür die Vereinsführung besonders dankbar ist. Obwohl „nur“ die Anschaffungskosten für die Anlage und die Materialkosten zu bezahlen waren, musste der Verein 30.000 Euro hinlegen bis die Anlage letztlich im Herbst 2017 nach mehr als 300 Helferstunden einsatzbereit war.

Für sein Engagement im Verein und auch besonders im Zusammenhang mit der elektronischen Schießanlage erhielt Florian Schütz die goldene Ehrennadel des Mittelfränkischen Schützenbundes.. Michael Deffner und Bernd Tröster erhielten die Ehrennadel des Bayerischen Sportschützenbundes.

Bürgerschießen und Bürgerscheibe

Foto: Marcus Wurm

Verbunden mit der Modernisierung ist beim Verein die Hoffnung auf neue Mitglieder. Deshalb hatten die Schützen am Sonntag nach der Einweihung zu einem Bürgerschießen eingeladen, bei dem es Sachpreise, Pokale und auch eine von Bärbel und Rolf Kießlinger gestiftete Bürgerscheibe mit dem Pappenheimer Burgmotiv zu gewinnen gab. Nadine Gallus hatte sich unter den Teilnehmern des Bürgerschießens mit der besten Treffsicherheit ausgezeichnet und so konnte ihr 1. Schützenmeister Robert Deffner die Bürgerscheibe überreichen.